Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674135
Keramik. 
Klassifikation 
Gefässe. 
der 
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Dem Spitzglas ähnlich war die kreiselförmige Plemochoä, 
eine wie es scheint bei den Alten seltene Gefässform, die erst im 
Mittelalter und durch die Glasfabrikation ihre wahre Ausbildung 
erhielt. 
Der Becher war das Lieblingsgeschirr der Völker des Nordens, 
so dass sich noch ein grosser Reichthum aller Arten mittelalter- 
licher Becher erhielt, und zwar aus allen Stoffen. 
Unter diesen Formen sind einige wahrscheinlich von den Rö- 
mern entlehnt, wie namentlich der schön stilisirte rheinische Wein- 
pokal. (Siehe Fig. S. 76 links.) 
Andere, nämlich die fusslosen, fast cylindrischen, zum Theil 
konoidischen Humpen und Krüge sind vielleicht älteste nordische 
Ueberlieferung, da sich Derartiges unter den antiken Gefässen 
kaum vor-findet. 
Andere Formen, Erfindungen des Mittelalters und der Renais- 
sance, entsprangen zum Theil aus technischen Motiven, zum 
Theil waren sie Folge veränderter Genussweise. Dazu sind vor- 
züglich die so eleganten und zierlichen Spitzgläser zu rechnen, 
die aus den Glasusinen Murands her-vergingen. (Siehe darüber 
unter Hyalotechnik.) 
Die orientalische Gefässkunst hat besonders das hier bespro- 
chene Trinkgeschirr iniluencirt, und zwar zugleich mit der Ein- 
führung neuer Getränke von Asien her. 
Man erkennt diesen Einfluss besonders in den schönen Fayence- 
gefässen des Cinquecento, wo er aber mehr in ornamentaler Be- 
ziehung sich geltend macht. Die arabischen fusslosen Kaffee- 
sehalen sind nie bei uns Mode geworden, haben sich nicht zu- 
gleich mit dem arabischen Getränk bei uns einbürgern Wollen. 
Vielmehr entlehnten wir dafür das für Thee bestimmte chinesische 
Doppelgefäss, die Tasse mit ihrer, übrigens in China gar nicht 
üblichen, Unterschale, die mit den übrigen Porzellanprodukten 
seit dem 17. Jahrhundert nicht geringen Einfluss auf die ge- 
sammte europäische Geschmacksrichtung ausgeübt haben.
        

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