Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679239
Metallotechnik 
(Metallarbeiten). 
Das 
Gussmetall. 
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Ferner ist in dem  14 (Keramik) über gewisse technische Ein- 
flüsse auf den Stil der Gusswaaren das Wesentlichste enthalten. 
Daher nur noch wenige Bemerkungen über gewisse stilbedingende 
Einflüsse des Metallgusses, angewandt auf Kunstindustrie. 
Metallgussgefässe. 
Für sie ist eine gewisse Kühnheit und Schwunghaftigkeit der 
allgemeinen Formbildung bezeichnend; die begleitenden Theile, 
als Henkel, Füsse, Ausgüsse dürfen sich von dem Körper mehr 
lostrennen; im Verhältniss zu letzterem (dessen Weite und Form 
vornehmlich nur von der zweeklichen Bestimmung des Gefässes 
abhängt) dürfen sie weit leichter sein, als unter anderen Umständen 
gestattet Wäre, auch. unter sich und mit dem Körper in gewagterer 
Weise verbunden werden. 
Die leichte Darstellung plastischer Zierden und die grosse 
Wahl sonstiger Mittel der Formenbereicherung, die man hat, 
machen eine dekorative Richtung der Gussmetallgeflasskunst er- 
klarlich. 
Durch die seit frühester Zeit in der Metallgefässkunst gebräuch- 
liche Ausstattung der liletallgefässe mit aufgenieteten und aufge- 
lötheten (nur verzierenden oder auch zwecklich begründeten) Bei- 
werken 1 wird diese dekorative Richtung noch näher bezeichnet. 2 
Noch markirter als in der antiken Töpferei und Vasenkunst, 
auf deren Stil, wie ich zeigte, der Stoff weit weniger Einiluss 
übte, als es in der christlichen Zeit geschah, tritt der Gusscha- 
rakter in den Metallgefassen der Renaissance hervor! Wenn die 
reichen und graziösen, obschon mitunter ausschweifenden Gussme- 
tallgefasse dieser Kunstperiode ihre vollste Berechtigung haben, so 
wird zugleich die Uebertragung der für sie bezeichnenden Formen 
auf andre Stoffe eines der Wahrzeichen des sich vorbereitenden 
Verfalls. 
Gussmetallstil gehaltene Sebaldusgrab des P. Vischer, verglichen mit den 
feineren: aber toreutischen Formen des von Veit Stoss für dasselbe Grab ver- 
fertigten Entwurfs (bei HeideloH Denkmäler etc). 
1 Embleme, Krusten, Prokrosoi, Heftel u. dergl. m. 
2 Wir zeigten in der Keramik, wie die Metallgefässe einen merkwürdigen 
Einfluss auf die Richtung und den Stil der Thon- und Glasgefässkunst übten, 
so dass ein Theil der antiken Thon- und Glaswaaren einen entschiedenen 
Metallbeigeschmack hat.
        

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