Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679219
Metallotechxlik 
(Metallarbeiten). 
Flächendekoration. 
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Nicht minderes Geschick ist erforderlich bei Gegenständen, die 
plastisch oder flach sich golden auf beliebigem Grunde abheben 
sollen, wobei passende Abtonung des Grundes, richtige Färbung 
des Goldes und geschickte Vertheilung der polirten Stellen gleich 
wichtige Rüeksichten sind. Ein gewisser gemeinsamer Ton muss 
unter allen Umständen die Gegensätze des Goldes und seiner 
Gründe verbinden. Ist der Grund z. B. grün, so muss das Gold 
der Hauptsache nach ins Grünliche spielen, oder bei rothcm Golde 
muss der graue Grund eine rothe Beimischung haben, also sela- 
don- oder olivenfarben sein. Wegen der Verwandtschaft der Holz- 
farbe mit der Farbe des Goldes wird es leicht, beide in günstiger 
Weise zusammentreten zu lassen. Das Gleiche gilt von der Ver- 
goldung auf Bronzegrund. Dessenungeachtet bedarf es bei diesen 
beliebten Kombinationen grosser Vorsicht; besonders hüte man sich 
vor falschen Kontrasten, vor zu grünem Golde auf zu rothem 
Metall (oder Holz), vor zu rothem Golde auf zu grünem desgl. 1 
Eine sehr gewöhnliche Kombination ist Gold auf Silber oder 
Stahl und auch hier sucht man häuüg nach möglichst starken 
Kontrasten. Meines Erachtens wäre das Silber, das theilweise 
Vergoldung erhalten soll, durch Lcgirung etwas gelblich zu ma- 
chen; bei reinem Silber oder Stahl würde ich dem Golde viel 
Silber beimischen oder es blond färben.- 
Dieselbe Vorsicht ist bei Vergoldungen auf weissem Grunde 
(der Wände, Plafonds, Möbel, Vasen u. s. w.) nothwendig. Ein 
ganz weisser Grund thut mit Vergoldung niemals gut. Eine grün- 
lich braune Bisterbeimischung, ein Seladonton oder eine andere 
passende neutrale Nuance sind immer nothwendig. Man darf in 
dieser Beziehung Vieles wagen unbeschadet des weissen Totaler- 
seheinens. 2 
der Banlieue von Paris zeigt sich derartiger Ungesehmack in dem Missbrauch 
des Glanzgoldes wie er in den Palästen Deutschlands, in den englischen Prunk- 
sälen und leider auch neuerdings an den von der Giovine Italia im Pfeiferkuchen- 
stil restaurirten Meisterwerken ihrer glorreichen Vergangenheit vor-herrscht. 
1 Der seheussliehe neuitalienische Lebkuchenstil, von dem oben die Rede 
war, ist eine Folge davon, 
2 Die oft eitirte schöne Galerie dlipollon im Louvre ist der Hauptsache 
nach weiss mit 'G0ld. Aber das scheinbare Weiss ist mit einer sehr starken 
Beirnischung von Asphalt abgetont. S0 harrnonirt es mit dem Gold und den 
dunklen Oelnlalereien der Füllungen. Ueber den Seladonton der chinesischen 
Porzellane vergl. S. 126 der Keramik. 
Sempcr, sm n. 74
        

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