Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679190
(Metallarbeiten). 
Metallotechnik 
Flä-chendekoration. 
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1. so, dass das ganze WVerk golden ist oder scheint, 
2. als Grund für Flachen, die zur Aufnahme bildnerischer oder 
gemalter Sujets bestimmt sind. 
3. als Mittel, um diese Sujets auf einem dunklen oder hellen 
(beliebig gefärbten) Grunde abzuheben ohne Beihülfe son- 
stiger Farben, 
4. als Farbe, um die Umrisse der Sujets damit zu zeichnen, um 
Lichter aufzusetzen oder sonst in conventioneller Anwendung. 
Ist das ganze YVcrk golden, so kann und soll die jedem Kunst- 
gebilde nothwendige Eigenschaft der einheitlichen Mannigfaltigkeit 
durch geschickte Abwechslung und Steigerung in der An- 
wendung der Reizmittel für die Sinne, welche das Gold bietet, 
gefördert werden. 
Wir Neuern kennen fast nur die Steigerung in der Anwen- 
dung des Goldglanzes, und sehr häufig fehlt auch hiefür der Sinn, 
sowohl bei den Künstlern wie im Publikum. Man sieht die Voll- 
kommenheitsidee in der Alleinherrschaft des Glanzes nach den 
erhabenen Grundsätzen und Proceduren des Schuhputzers erfüllt; 
man wichst das Ganze, WO nicht, so wird so viel gewichst wie mög- 
lich. Dadurch ist dem- in den Künsten wie in der Natur herr- 
schenden Gesetze, Wonach Licht und Glanz erst durch Konzen- 
tration und durch das Uebergewicht des Dunklen recht wirken, 
zwar keineswegs entgegengetreten, weil eine vollkommen polirte 
llletallilächc ausser ihren Glanzstellen das dunkelste Object ist; 
aber diese Wirkungen gehören mehr den allgemeinen Naturphätno- 
mencn an, als denen, welche die Kunst zu ihren Mitteln zählt. 
Wo jedoch letztere dieselben als Hauptmotiv benützen will, dort 
stellt sie sich eine Aufgabe, die schwerer ist als die Meisten ahnen, 
die aus Oekonomie, Ungeschick, Ungeschmack, Geistesarmuth 
und Bequemlichkeit fast keine anderen mehr in Bewegung setzen. 
Der Gedanke des Künstlers muss gleich bei der Conception seines 
Werkes auf dieses Ziel gerichtet sein, jedes Detail muss er für 
den rein sinnlichen Licht- und Glanzeffekt berechnen; das Schwie- 
rigste bleibt dabei, das Glitzernde einheitlich zusammcnzuhalten. 
Diese Schwierigkeit erkennend gingen die guten alten Meister 
mit dem Polirstahle weit vorsichtiger um, hegnügten sie sich im 
Allgemeinen mit dem natürlichen matten Glanze (les Goldes (und 
Silbers), gingen sie von diesem höchsten Tone ihrer Effektskala 
abwärts, indem sie das Metall mit Farben und Lasuren überzogen
        

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