Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679165
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Elftes 
Hauptstück. 
das feste Eisen oder Erz oder Silber zu den Garnituren nehme, 
das weiche, edle, vornehme Gold damit zu fassen? Keineswegs, 
aber dieses ist eine niedere Art der Erfüllung desselben, eine stoff- 
lieh technische, nichtideale. Sie ist die allein richtige überall 
wo das Eingefasste durch höheren formalen und geistigen Inhalt 
nicht so hervorragt und hervorragen kann, wie es für die Zu- 
lässigkeit der ersten Lösung erforderlich Wäre. Eine vollkommen 
glatte silberne Theemaschinc mit Füssen, Henkel, Deckelknopf, 
Gussrohr und Hähnchen, auf einem Untersatz mit Spirituslainpe 
wäre theilweis zu vergolden. Wie verführe man dabei am besten? 
Unmassgeblich so, dass der glatte, umfangreiche Rumpf von polir- 
tem Golde strahlte, dessen ciselirte Ausscnwerke. und Beiwerkc 
aber theils die reine Silbertläehc zeigten, theils oxydisirt, matt 
und dunkel erschienen.  
Eine etwas dunkle und matte Oberfläche ist für ciselirtes WVcrk 
und Reliefarbeit günstiger als der Schein des Goldes, selbst wenn 
er durch angewandte Mittel gedämpft wird, und in den meisten 
Fällen ist schon dieser Umstand bei der Frage entscheidend. 
Es gibt eine dritte vermittelnde Art, die Frage zu lösen, die 
bei geschickter Anwendung sicheren Erfolg haben muss. Sie setzt 
aber voraus, dass das "Werk gleich in seiner Anlage darauf be- 
rechnet sei. Nebenstehende silberne Bowle sei mit Vergoldung, 
Niellirung und andern Mitteln zu bereichern, so würde ich den 
glatten Rumpf der Terrine und den Grund des Deckels vergolden, 
den Fries, der sich um den Rumpf als Hauptmotiv herumzieht, 
sowie alles Figürliche am Deckel und am Untersatze in oxyrlisirtem 
Silber ausführen, die (silbernen) aufsteigenden Bügel mit Niellos 
oder eingelegtem Golde venzieren, das Blatt- und Rankenwerk des 
Untersatzes der Hauptsache nach in weissem mattem Silber lassen, 
jedoch mit untermischten Vergoldungen, so viel als nöthig ist, damit 
der goldene Rumpf nicht zu isolirt bleibe. Der Deckel und die 
Henkel irären ebenso zu halten, nur der goldne Grund des Rumpfes 
und Deckels wäre polirt. Einzelne Embleme (des Deckels und des 
Untcrsatzes), Wappenschilder, Legenden u. s. w. könnten Schmelz 
erhalten. So herrschte der Rumpf der Terrine zugleich durch 
Kunst und durch die Autorität des Stoffes. 
Doch schliesst dieses System ein anderes, vielleicht noch bes- 
sercs keineswegs aus. Solche Fragen wie diese sind mehrfachster 
Lösung fähig, wobei nur vor allen Dingen erforderlich ist, dass
        

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