Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679154
Metallotechnil; 
(Metallarbeiten). 
lüächendekoration. 
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u. dergl., weil ihr spezifisches Gewicht und ihr Anfühlen sie sofort 
als Seheinwaare verräth. 
Noch bedenklicher ist das Vergolden (resp. Versilbern) von 
Werken hoher Kunst; die Gefahr wächst mit zunehmender Grösse 
und dem Kunstwerthe des Gegenstandes. Die Griechen vermieden 
in ihrer Metallbildnerei diesen barbarischen Prunk, den der halb- 
barbarische Römer an den Meisterwerken der griechischen Kunst 
vermisste. 1 
Wenn nur Theile eines Gegenstandes vergoldet werden sollen, 
so fragt es sich welche?  
Hierbei scheint es uns zunächst darauf anzukommen, aus wel- 
chem Stoffe das Ganze bestehe. Ist es z. B. ein kunstvolles Ge- 
fass aus Porzellan oder Emaille, so sind die Ligaturen, die Henkel, 
die Lippen, die Füsse, oder Theile derselben am meisten dazu 
geeignet. Dann bildet der Rumpf mit seinen Argumenten gleich- 
sam die reich eingefasste Gemme eines Schmueks, dessen cin- 
fassende, tragende oder sonst dienende (aktive) Beiwerke füg- 
lich zähes, festes Metall sein oder zu sein scheinen dürfen; dass 
es Gold ist, mehrt das Ansehen der so kostbar eingefassten Gemme- 
Nur trage man Sorge, dass sie nicht unter dem Glanze und der 
Masse ihrer reichen Umgebung erdrückt werde. 
S0 führt auch hier das so wichtige Prinzip der Subordination 
auf die richtige einfache Lösung der Frage. 
Das gleiche Prinzip, angewandt auf ein in Bronze ausgeführtes 
Gefäss der gleichen oder ähnlicher Art, führt nicht nothwendig 
auf das gleiche Ergebniss. Man darf ohne Zweifel eine Bronze- 
schale so behandeln, wie oben die Porzellanvase, ihre Beiwerke 
vergolden, sie selbst in Bronzefarbe lassen. Dann muss die Kunst, 
die stoiflich emanzipirte, fehlenden Glanz und materiellen Werth 
ersetzen oder vielmehr von sich weisen; dann ist das goldene Bei- 
werk der Prachtrahmen des Kunstgebildes. 
S0 schmückt der griechische Bildner seine ehernc Göttin mit 
goldnen Sandalen, legt ihr ein goldnes Diadem um, bestickt ihre 
Gewänder, schmückt sie mit goldenen Attributen. 
Ist es aber gegen das Prinzip der Subordination, wenn ich 
1 Nero liess eine Statue des Alexander, berühmtes Werk des Lysippus, 
vergolden, musste aber dem öifentlichen Skandale, den dieser Vandalismus 
machte, Rßßhllllng tragen und die Vergoldung wieder abkratzen lassen. Pliu. 
XXXIV. cp. 8. Ed. Dalech. 
        

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