Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679129
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Elftes Ilauptstück. 
mit eingelegten Silbermustern und ägyptische Metallwerke ' glei- 
cher oder ähnlicher Art. 
Aber erst die Griechen erkannten den Umfang und die Grenzen 
dieser Kunst;  schon die noch erhaltenen Figurinen, Diskcn, 
Waffenstüeke, Geräthe und Vasen aus Bronze mit eingelegten 
Silbcr- und Goldornamenten geben davon den Beweis, denn der 
Geist hellenischer lllässigung und Geschmaeksreinheit spricht aus 
ihnen. Wie herrlich mochten erst die kolossalen Bronzebilder der 
Phidias und Polyklete in ihrem eingelegten Gold- und Silber- 
schmucke prangen? Wie Weit gegangen wurde, ob nicht die Bei- 
werke durch die Chrysographoi (Goldzeichner) ausscr mit reinem 
Ornament auch mit eingelegten Argumenten verziert Waren, bleibt 
unentschieden. 2 
Der byzantinischen Kunstrichtung entspricht die eingelegte 
Arbeit vollkommen. Das Ornament sowohl, wie das Figürliche 
wird auf Bronzewerken mit Silberfäden umzogen und zum Theil 
mit Silberplatten vervollständigt. Thore von S. Paolo fuori le 
mura, zu Amalfi u. a. mehr. Agincourt. 
Das Morgenland war schon im Alterthum in seiner Metall- 
bildnerei träumerisch-phantastisch, wobei die eingelegte Arbeit, 
von Alters her, stark mitthatig war. (Indische polychrome Reliefs 
in Philostratus vita Apoll., angeführt und beschrieben auf S. 264 ff. 
des ersten Bandes.) 
Alles Bildnerisch-Bedeutsamc verschwindet mit dem Islam und 
die blumenreiche eingelegte Arabeske, durchflochten mit kalligra- 
phiseh-dekorativen Spruchstreifen, bedeckt die Flächen. 3 Doch 
' Die Tabula Isiaca ist zwar wahrscheinlich aus der Spätzeit, aber alter- 
thiimlich (archaistisch). 0. Müller, Arch. 230. 1. 
2 Stellen im Homer und Hesiod über verschiedenfarbigen Metallschmuck 
auf Waffen und Geräthen. Millin, Mineralogie Horneriquet O. Müller, Areh. 
ää. 58 u. 59 mit den Noten. 
Wahrscheinliclrwar das Einlegen im Grossen im heroischen oder friihhel- 
lcnischen Zeitalter, besonders für Waffen, mehr im Gebrauche als später. Doch 
liebte Phidias an älteste Kunsttraditionen wieder anzuknüpfen. Der Name 
Barhariearii für Tauschierarbeiter scheint anzudeuten, dass in späterer Zeit 
ausländische Techniker diese Kunst betrieben, oder doch, dass ungriechischer 
Geschmack darin Wurzel gefasst hatte. 
3 Reichste Entfaltung aller Mittel der Fläehentoreutik und eingelegten 
Arbeit auf gewissen in Glockenmetall gefertigten Vasen, deren Hauptfabrikort 
im Mittelalter Mossul am Tigris war. Vase von Vincennes, Louvre; eine ähn- 
liche im Br. Mus. (13tes Jahrh.) Schale in der kais. Bibliothek, Paris, mit
        

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