Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679084
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Hauptstück. 
Elftes 
liche Figuren, in seinen Umrissen zurechtbicgst und bildest. Du 
ordnest diese Theilchen sorgfältig und genau, jedes an seinen Ort, 
und befestigst sie mit Mehlkleistcr amliohlfeuer. Nachdem du 
nun ein Versatzstüek innerlich eingerichtet hast, löthest du das- 
selbe mit grösster Vorsicht, damit der zerbrechliche Bau und das 
dünne Gold nicht aus den Fugen gehe oder schmelze." 
Was nun folgt, betrifft die Verfahren beim Ausfüllen der 
Zellen der Versatzstücke mit Emailstaub, beim Brennen und 
Glätten des farbigen Schmelzes. 
In dieser Beschreibung sind zwei Hauptpunkte zu unter- 
scheiden. Der eine betrifft die allgemeine Disposition und An- 
ordnung des Schmuckes. Eine reiche Bandkette um die Mündung 
des Kalix, ein Goldring mit eingefassten Kleinodien, abwechselnde 
Steine und Schmelze. Diese letzteren sind abgesonderte Theile 
des Ringes, Schmuck desselben, der Ring als Ganzes ist abge- 
sonderter Theil der Vase, Schmuck derselben. Der andere be- 
trifft die Verfertigung der einzelnen Schmelze. Der erstere Punkt 
ist für den Unterschied zwischen dieser Sehmelzarbeit und der 
Schmelzmalerei, die unmittelbar auf dem Gezierten haftet, der 
wichtigste. Gleichwohl wird er nicht als solcher von den Autoren 
über Schmelzarbeit erkannt, die immer nur an dem zweiten fest- 
halten, obschon er keineswegs ausschlaggebend ist. 
Dies ist leicht nachzuweisen. Erstens könnte das Zellennetz 
der Versatzstücke zur Aufnahme der Schmelze auch anders, in 
der Art der Champleve-Schmelze durch Ausgrabung eines Metall- 
stücks erzeugt werden und das Aussehen des Werkes, sein Cha- 
rakter bliebe unverändert. Zweitens ist die Methode des Theo- 
philus bei der Bereitung seiner Zellen auch auf Werken anzu- 
wenden und angewandt worden, die ihrem Charakter und Stil 
nach der gelle-romanischen und limusinischen Schmelzmalerei 
gleichkommen. Dieses zeigt sich bei einer im Oriente, nament- 
lich in China, sehr gewöhnlichen Flächendekoration (meistens 
Vasen), bestehend in der vollkommenen Ueberkleidung der Gegen- 
stände mit einer Schmelzdecke, deren Muster durch feine Gold- 
drähte getrennt sind, gerade wie bei den genannten gallo-roma- 
mischen und alten limusinischen Champleve-Schmelzarbeiten. Im 
Stile sind sie diesen nicht nur verwandt, sondern gleich, obschon 
das Zellennetz auf den Oberflächen der Gegenstände nicht aus- 
gegraben, sondern durch aufgelöthete Mctallriemchen,
        

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