Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679068
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Elftes 
Hauptstück. 
eigentlichen Malerei mit Emailfarben (1632) auf einer etwas hart- 
flüssigeren weissen Emaildeeke, womit der Excipient (dünnes 
Gold- oder Kupferblech) gleichmässig überzogen ist. Sie nähert 
sich entweder der Aquarellmalerei, indem für die Lichter das 
Weiss des Grundes ausgespart wird, oder der Oelmalerei durch 
Hinzufügung opaken weissen Sehmelzes zu allen Farben und 
pastose Aufsetzung des Weiss für die Lichtpartieen. Ein etwas 
leiehtflüssigerer, durchsichtiger und farbloser Schmelz (fondant) 
dient als allgemeines Bindemittel. Eine andere leichtere Art ist 
die Emailmalerei sous fondant, eine Kruste des genannten 
durchsichtigen Sehmelzes {ixirt und schützt die Malerei auf der 
unpräparirten Gold-Blechtafel (plaque). Wir verfolgen sie auf 
ihrem Entwicklungsgange nicht weiter, weil mit ihr die Schmelz- 
malerei aufhört Flächendekoration zu sein, sondern umgekehrt 
die Metalliläehe nur der untergeordnete Excipient der selbstän- 
digen Malerei wird.  
Ihr Gebiet ist die Miniaturmalerei. Doch diente sie auch, 
wie jene limusinische Malerei, mit Erfolg, um kleinere Gold- 
sehmiedswverke, Dosen, Kaffeesehalen, Etuis, Riechfläsehehen u. 
dergl. mit zierliehster enkaustischer Malerei ganz zu umhüllen. 1 
Ausserdem wurden die Emailblättehen oft mit glücklichem Stil- 
gefühl als Kleinode 'zur Verzierung von Goldschmgiedswrerken und 
Luxusgeräthen benützt. Die Reihe der Künstler, die sich darin 
bis gegen das Ende des 18ten Jahrhunderts auszeiehneten, ist fast 
unübersehbar. Wir heben aus ihnen, ausser dem schon genannten 
Erfinder Toutin, die beiden berühmtesten Namen Petitot (geb. zu 
Genf 1607) und Bordier heraus, die in Gemeinschaft mit dem 
Chemiker und Leibarzt Mayerne für Karl I. von England thätig 
waren.  
2) Aufgesetzter und befestigter Schmelzsehmuck. 
(Emaux dhpplique oder de lalique.) 
Ueber das gleichsam instinktive Gefallen des Menschen an 
Nachbildung und gleichzeitiger Umbildung dessen, was die Natur 
bietet, wurde schon im Artikel Glas bei Veranlassung der künst- 
lichen Edelsteine aus Glas gesprochen. Eine weitere Folge dieses 
Strebens, in verwandter Richtung, sind die Schmelzkleinode oder 
sogenannten Emaux dapplique. Ihre Erfindung ist orientalisch. 
der chinesischen Porzellane. 
1 Nachahmungen
        

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