Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679048
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Elftes 
Hauptstück. 
trächtigt wird, so versclnrindet diese noch mehr im 13ten und 
14ten Jahrh. Nun sind die Figuren nicht mehr emaillirt, sondern 
nur der Grund, dessen herrschende Farbe das Blau ist. Auf ihm 
sind die Figuren entweder Haeh mit eingrawirten Details abgehoben 
oder im Halbrelief ausgeführt und vergoldet. l 
b) Durchsichtige Schmelzmalerei über Relief (Emaux 
de basse taille).  Naeh- der Ueberwindung des byzantinischen 
Elements während des neuerwachten Kunstlebens in Italien konnte 
sich auch die alte sclnverfällige und Hache Sehmelzarbeit nicht 
mehr halten. Letztere verlor überhaupt den grösstexl Theil ihres 
alten Ansehens und erhielt sich nur noch in der Goldschmieds- 
kunst, durch das Eintreten in eine ganz neue Technik, oder viel- 
mehr durch die Rückkehr zu einer uralten, die wahrscheinlich 
von den Goldsehmiedsmeistern Italiens gewissen Ueberresten rö- 
mischer Glaswaaren abgeborgt wurde, in denen sich dünne gra- 
wirte und getriebene Ctoldplättchen unter der glasigen Decke 
zeigen. 2 
Man nahm nur noch durchsichtige Schmelze und überzog damit 
die in sehr schwachem Relief getriebenen und mit den allerfeinsten 
Grabstieheln eiselirten Gold- oder SilberHäe-hen, natürlich nicht 
gleiehmässig, sondern unter Berücksichtigung der durchscheinenden 
Theile und mit allen Verfeinerungen der liflalerei des löten Jahr- 
hunderts.  Die Farbenskala ist zwar viel reichhaltiger und flo- 
rirter, als die frühere war, aber (ladurch beschränkt, dass keine 
opaken Emails vorkommen (lürfen. Das lnkarnat wird daher nur 
durch leichten Violetten auf Silbergrund erreicht u. s. w. 
Nicolas und sein Sohn Johann von Pisa brachten diese Revo- 
lution in der Schmelzkunst hervor. 4 Hierin folgten ihnen dann 
alle grossen Goldschmiede Welschlanrls: Agostino und Agnivltw 
von Sicna, Forzore, Schüler des Ürgagna, L. GhibcrtYs Bruder 
Bartoluccio, Antonio Pollaiuolo, Fr. Francia, Ambrogio Foppa, 
1 Hauptwerke: Grabtafel des St. Front zu Pärigueux, deren Reste im Besitze 
des Abbö Texier; nach Letzterem das bekannt-älteste Limusiner YVerk (1077). 
Gmbtafel Gottfrieds Plantagenot, Grafen von Anjou, 1' 1151 zu Mans. 
Zwei 'l'afeln im Hötcl Cluny, Theilc eines Altars zu (lrandmont aus der 
Zeit zwischen 1073-1188. 
2 S. Buonarotti, passim. 
 3 Benvenuto Cellini beschreibt seine Methode sehr deutlich; e-inu iiltern 
hiethode ist dem Prinzip nach die gieiche. 
4 Vasnri n. v. di Niwila et (iinv. Pisnni.
        

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