Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679035
Nfetalloteclnnik 
(Metallarbeiter:  
Flächendekoration. 
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nicht zusagen mochte und sie (laher wohl auch unter den Römern 
als barbarische Erfindung galt. Dass die gelle-romanischen Be- 
wohner der Küsten der Nordsee wirklich grosses Geschick und 
einen gewissen eigenthümlicth barbarisirenden Kunstgeschmack in 
der Schmelzarbeit besassen, dies scheinen höchst interessante da- 
hin bezügliche in Frankreich und England gemachte Funde zu 
bestätigen. 1 
Vielleicht vegetirte diese Kunstindustrie im Dunkel der früh- 
eren Jahrhunderte des Mittelalters handwerksmässig fort, bis sie 
mit den] llten oder läten Jahrh. in der alten Industriestadt Li- 
moges im südlichen Frankreich und wahrscheinlich auch gleich- 
zeitig am Rheine (Dinant und Köln) wieder aufblühte und gross- 
artigen Aufschwung nahm. 
Stil und Charakter des ältesten Limusiner Schmelzes ist noch 
dem gallo-ronianischeii verwandt. Er geht aus dem Prinzip her- 
vor, ganze Flächen farbig zu inkrustircn. Daher einfache, wenig 
gegliederte Hauptformen, keine Skulpturen und Reliefs. 2 Der 
kupfcrne Grund bis auf die stehengelassencxi Nähte oder Grade, 
welche die Unlrisse der Zeichnungen bilden, ganz mit Schmelz 
bedeckt. Dieser ist mit Rücksicht auf Dauerhaftigkeit hartflüssig, 
daher auf wenige sehr feuerfeste Farben beschränkt. 3 Jede Zelle 
ist nur mit einer einzigen Farbennuance gefüllt. Das Ganze also 
lnosaikartig oder im Stile der ältesten Gilasmalerei. 
Im IEZten Jahrhundert wird der Schmelz feinkörniger. Die 
einzelnen Zellen sind nicht mehr einfarbig gefüllt, sondern ent- 
halten Lichter und Halbtinten, in der Absicht des Modellirens. 
Wenn die austere Strenge des alten Stils dadurch schon beein- 
1 Es ist Wahl", dass alle neuesten Funde antiker Schmelzinkrustationen 
in Gallien und. England gemacht wurden, doch ist dies von früher entdeckten 
nicht nachgewieSen. Caylus führt schon mehrere derartige Getässe auf. Re- 
cueil d'antiq. tom. II. p. 91. V. p. 104. VI. p. 85. 
2 Indessen wurden auch ganze Metallskulptnren oder Theile derselben 
nach der Champleve-Methorle emaillirt. Meister Johann von Lirnoges inkrn- 
stirte das liegende Bildniss des Walter Merton, Bischof von Roehester (1267). 
Wahrscheinlich V01! demselben Johann ist das Bild des William de Valence 
(1- 1296) in Westminster, 
3 Nach Texier (Essai sur les ernallleurs de Limoges) sind im llten Jahrh. 
folgende Ivarhen üblich: dreierlei Kupferblan, halbdxlrchsichtiges Purpurrvih, 
opakeS Rotll, Blaugrün, Seladongrün. Im 12ten Jahrh. kommen das Violet, 
eine Art Eisengrau und das Gelb hinzu. Im 13ten und l4ten Jahrh. werden 
die gleichen Farben ohne Vermehrung ihrer Nuancen angewandt.
        

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