Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678986
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Hauptstück. 
Elftes 
die Erhaltung dieser Forlnen und Darstellungen ein weiterer Grund 
sein, warum man sie in die Flächen versenkte. Letzterer tritt 
wenigstens bei den hieroglyphischen Hohlreliefs (Reliefs en creux) 
deutlich in die Augen. 
Wir folgen unserer allgemeinen Anschauung, die Wir uns von 
der antiken Kunst gebildet haben, indem wir über die absolute 
Unzertrennliehkeit des antiken Intaglio und der Malerei noch we- 
niger Zweifel haben, als über die allgemeine Polyehromie der 
erhabenen und statuarischen Bildnerei der Alten. 
YVas von eingcgrabenen Arbeiten gräko-italischen Stiles sich 
noch erhalten hat, dient, nebst dem Genannten, zur Bestätigung 
dieser Ansicht. An hetruskischen und griechischen Schmuck- 
sachen zeigen sich die leicht eingeritztcn Ringe, Blattkränze, 
Eier und Perlen zumeist noch mit ihrer Ausfüllung. Metall- 
spicgel, Üysten aus Bronze, Gefäisse und Geräthe desselben Stoffs 
sind mit lincarisehen Ornamenten und figürlichen Argumenten 
bedeckt, die unwillkürlich an die bekannten, gleichfalls vorge- 
ritzton Darstellungen auf Vasen erinnern, so dass man berechtigt 
ist anzunehmen, sie seien ebenso nur die übriggebliebenen Um- 
risse einer Malerei oder lnkrustation, die verselnvunden ist. 1 
Die spätere griechische und römische Metallarbeit benützt nur 
noch zu ihren ornainentalen Ausstattungen das Intaglio und kaum 
anders als in Verbindung mit der eingelegten Arbeit (der Damas- 
cinirung). Der bei Paramythia in Epirus gefundene Diskus, die 
meisten Bronzcgeräthe aus Pompeji, viele andere Werke aus 
Metall sind in dieser Weise mit Gold- und Silberzierden ein- 
gelegt. 2  
Nur bei Siegelsteinen wurde das Intaglio rein angewandt, aber 
bekanntlich hier wegen des Abdrucks als eigentlichen Objekts 
dieser KUIlStÜbUDg. 
Selbst auf antiken Krystallen und Gläsern kann das Intaglio, 
als solches, schwerlich häufig nachgewiesen werden. Ich erinnere 
1 Hat man doch durch lange Zeit gewisse zarte Umrisse auf attischen 
Lekytlxen und auf Marmorplatten für etwas Ganzes gehalten, bis man überzeugt 
wurde, dass auch sie nur die Vorzeichnungen verschwnndener Enkaustik sind. 
2 Ueber den Diskus aus Epirus (Besitz des Engländers Hawkins) s. Göt- 
tlnger G. A. 1801. S. 1800. Die Barbaricnrii des spätem Alterthums waren die 
Künstler, welche diese eingelegten Gold- und Silberzierden ausfiihrten. Müller, 
Arch. S. 311 und Anmerk. dazu.
        

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