Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678877
Metallotechnik 
(Metallarbeiten). 
Architekton. 
Kunstschmiedewerk. 
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falten konnte, dass dieser Stil also allerdings zum Theil durch die 
Eisenkonstruktion mitbcdungen ist oder sich erklärt, dass daher, 
in diesem Sinne gefasst, die oben als gefährlich bezeichnete Idee 
dadurch eine Art von Begründung erhält. 
Das durchaus konstruktive gothische System ist gleichwie der 
Römerbau rein lapidarisch, obschon auch dieses die Eisenverbin- 
dungen in nicht immer gerechtfertigter Weise und häufiger als zu 
billigen ist zu Hülfe nimmt. Versuche in eiserner Gothik, neu- 
lichst gemacht, 1 verunglückten glücklicherweise total, so dass 
Hoffnung vorhanden ist, die konstruktiven Prinzipienreuter werden 
wenigstens dieses Steckenpferd nicht mehr besteigen. Gestatten 
und loben wir den sichtbaren einfachen eisernen Dachstuhl der 
Eisenbahn-Ingenieurs bei Einsteighallen und sonstigen Schoppen, 
als Wahrzeichen ihres Provisoriums. Ersparen wir uns die Be- 
wunderung gczierter eiserner Bibliotheken, Festsäle u. dergL! 
Uebrigens enthalten die Hauptstücke Tektonik und der An- 
fang dieses Abschnittes über Metallotechnik alles Wesentlichere, 
was in Betreff der ästhetischen Verwerthung solcher Eisenstruk- 
turen zu beobachten ist. Ueber die Ligaturen, ihre stilsymbolische 
Bedeutung und dekorative Verwerthung sind die  6 und 18 
des ersten Bandes nachzulesen. Auch enthalten die Abschnitte 
Keramik und Tektonik darüber mancherlei, das wir an dieser 
Stelle nicht nochmals zu Wiederholen brauchen. 
Suchen wir also das wahre Gebiet der Schmiedekunst nicht 
in der monumentalen Architektur selbst, sondern in deren Bei- 
werken, in dem Ausbau und der Garnitur; auf diesem hat 
sie zu allen guten Zeiten hohe Geltung verdient und gefunden. 
Doch ist es gerecht, anzuerkennen, dass keine Zeit für sie gün- 
stiger war, als die der Herrschaft des gothischen Stils; daher ge- 
reicht es den Herausgebern der mittelalterlichen Alterthümer, den 
Didron, Viollet le Duo, Gailhabaud u. A., zu nicht geringem Ver- 
dienste, eine Anzahl der vorzüglichsten Egothischen Schmiede- 
arbeiten, als da sind: Gitter, Thürbeschläge, 2 Lesepulte, Kerzen- 
träger, Katafalke und sonstigen Kirchenapparatus in schönen 
Darstellungen bekannt und gemeinnützig gemacht zu haben. 
Was die Frührenaissance in diesem Fache Herrliches bietet, dür- 
fen wir als Erbtheil aus jenem, der Schmiedekunst so besonders 
' Rouen und Wien. 
2 S. nachstehend einige derartige gothische Details von Thiirbeschlägexi.
        

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