Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678850
Metallutechnik 
(Metallarbeiten). 
Angriifswaäen. 
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Drittens haben sie auch höchste stilhistorische Bedeutung, 
wegen der Klarheit des Ausdrucks, womit sich Charakter und 
Geist der Zeiten und Völker an ihnen abspiegelt. 
Doch das Wichtigste bleibt immer die erwähnte praktische 
Stilfrage. Der Waffenschmied muss den strengsten Zwecklichkeits- 
gesetzen nachkommen, denn Leben, Freiheit, Macht, Besitz, alle 
höchsten irdischen Güter, einer Person oder eines ganzen Gemein- 
wesens, stehen ein. Daher herrschte zu allen Zeiten eine gewisse 
relative Ünverdorbenheit und Reinheit des Geschmacks in den 
Waffen. Sowohl in den barbarischen Zeiten wie in den Perioden 
der Civilisationsblüthe War die Zunft der Waffenschmiede das 
Asyl und die Plianzschule der Künste. Die höchsten Talente 
sind ihr entwachsen und verschmähten es nicht, für sie zu wirken. 
Eine verhältnissmassige Keuschheit des Geschmacks zeichnet end- 
lich sogar die Waffen jener üppigen Zeiten aus, in denen die 
Grundsätze des Stils im Ganzen missachtet wurden und alle andern 
Künste der allgemeinen extravaganten 1 Zeitrichtung folgten. 
Charakteristisch ist an den Waffen noch ihre fast ausnahrnslose 
relative Unabhängigkeit von den Gesetzen der Symmetrie und 
das Vorherrschen der Richtungseinheit an ihnen, was ihren For- 
men ein solches Leben ertheilt und sie für rüstige Krieger und 
Jäger so kleidsam macht. Der Gedanke daran darf dem Künst- 
ler, der diesen dankbaren Stoff ästhetisch zu bearbeiten hat, sehr 
nützlichen Anhalt bieten. 
Wir haben glücklicherweise bessere und öftere Gelegenheit, 
die dekorative Kunst an Waffen zu studiren, als sonst an irgend 
einer ihrer Anwendungen. So manche treffliche Waffensammlung 
in den verschiedenen Ländern unseres Welttheils breitet dazu 
ihre Schätze aus,  aber diese sind, für unseren Zweck, noch 
fast gänzlich llllbellützt geblieben; die Wichtigste Frage kam bei 
ihrer Prüfung noch selten in Betracht. 2 
1 Beispiele die zu Windsor befindliche Leibflinte Ludwigs XIV., gebaut 
von Peraube, mit reichen Ciseluren und eingelegten Arbeiten; ein Vorbild 
ornalllentaler Kunst in ihrer Anwendung auf Feuergewehre. Die ebendaselbst 
beündliehen Suhler Werke des Meisters Weiss sind das schönste Rococo das es 
gibt, hier den geschweiften Formen des modernen Schiessgewehrs gleichsam 
naturgemäss entwachsen. 
2 Ein in diesem Sinne abgefasster Bericht des Verfassers über die Privat- 
Waffensammlung Ihrer Maj. der Königin zu Windsor, datirt vom 20. Septbr. 
1852, wurde von dem First report of the Department of practical art, London 
1853, abgedruckt.
        

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