Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678836
Metalloteehnik 
(Metallarbeiten)  
Schmieden, 
Schweissen. 
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und meinen sogar, dass die so hochgepriesenc Erlindung des 
Glaukos in nichts Anderem bestand. Sind doch schon das auf 
ältesten Metallgefassen, Schmuckgegenständen und Waffen vorherr- 
schende Spiralornament und die Filigran- und Drahtgebilde in 
Erz vorhellenisehe Hinweise auf das gleiche, nur erst im Eisen 
zu neuer Wichtigkeit gelangte Verfahren! Ob dessen Anwendung 
auf Glas oder auf Eisen älter sei, ist schwer zu bestimmen. 
Wie wir die ächten laminirten Stahlklingen, Flintenläufe 
u. dergl. wegen ihres scharf ausgesprochenen Stiles bewundern, der 
so sehr dem Stoffe und der Bestimmung dieser Gegenstände ent- 
spricht, ebenso seicht und stillos erscheint uns die bei unseren euro- 
päischen Walfenschmieden beliebt gewordene Methode, den platten 
Oberflächen geschmiedeten oder gegossenen Eisen- und Stahl- 
werks durch eingeätzte Muster den Schein zu geben, als waren 
sie laminirt. 1 Gegen diesen und ähnlichen Unfug in den Künsten, 
der deren gesunkenen Zustand bezeichnet, kann nicht genug ge- 
eifert werden. Wir schliessen diese Notiz über eine unserer Mei- 
nung nach sehr wichtige Technik mit der Bemerkung, dass die- 
selbe mit der jetzt überall thatigen Bewegung für Vervollkomm- 
nung der Angrilfswaßen, besonders der Schusswaffen, ein noch 
erhöhteres Interesse gewinnt, da sie aus einer Idee hervorging, 
auf die bei dieser Frage Alles ankommt, nämlich Hervorbringung 
einer äusserst festen und zugleich zäh-elastischen Metallwand, 
deren starker Widerstand gestattet, sie möglichst schwach (mithin 
leicht und handlich) zu halten. Welche Stahl- und Eisenarten, 
in welchen Verhältnissen und wie sie zusammen zu schweissen 
Ornamentatioil weder römisch, noch keltisch, noch sarazenisch, sondern ganz 
undefinirbar barbarischen Stils; sie zeigen an den erhaltenen Oberflächen höchst 
feine, theils chagrixiartig gekörnte, theils moirirte Muster, die unzweifelhaft auf 
ihre Zusammensetzung aus feinen Stahlnadeln und ebenso feinen Stahldrählen 
durch den Schweissproeess hinweisen. Zwar hält der Herausgeber dieser merk- 
würdigen Antikaglien, Dr. Ferd. Keller in Zürich, jene Muster nur fiir geätzt, 
aber von einer so oberflächlichen Behandlung durch Säuren wäre gewiss nichts 
mehr sichtbar, nur die innere Textur des durch und durch gemusterten Eisens 
konnte bei der fast gänzlichen Zerstörung desselben Spuren hinterlassen. 
S. Mittheilungen der antiquar. Gesellschaft in Zürich. Bd. 12. 
1 Der besprochene Process wird gemeinhin Damasciren genannt, von 
Damaskus, dem noch jetzt berühmtesten Fabrikort laminirter Waffen. Doch 
vermeiden wir diese Bezeichnung wegen der Verwechslung, zu der sie Anlass 
gibt, da auch ein anderer Process der Motalloteclnxil: so oder ganz ähnlich be- 
nannt wird. S. unten ä. 182. Art. Damascinireix.
        

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