Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678822
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Elftes Hauptstück. 
tischcn und ästhetisch ornamentalen Gründen 1 fest hält), sondern 
vielmehr das Mittel zur Erzeugung einer Metallkomposition, welche 
die beiden scheinbar einander ausschliessenden Eigenschaften der 
Härte und Geschmeidigkeit in hohem Grade in sich vereinigt und 
dabei zugleich durch ihre künstlich hervorgebrachte gemusterte 
Textur in dekorativem Sinne angenehm Wirkt. Es ist der gleiche 
Larninationsprocess, der auch in der antiken Glasbereitung 2 eine 
so hervorragende Rolle einnimmt und wahrscheinlich auch hier 
zugleich dekorativen und zwecklichen Ursprungs ist, nämlich um 
durch ihn eine aus verschiedenen ungleichartigen Glasarteil zu- 
sammengesetzte Masse zu gewinnen, die geschmeidiger und (schon 
wegen der Zusammensetzung aus Stücken) im Temperaturwechsel 
und gegen den Chok weniger empfindlich ist als eine homogenere 
Glasmasse es wäre. 3 
Gleiche Mannichfaltigkeit und gleichen Erfindungsreichthum, 
wie er an den erhaltenen Scherben antiken laminirten Glases 
hervortritt, bewundern wir an den laminirten Schwertklingen, 
Dolchen und sonstigen W aifenstücken der östlichen Völker. Bald 
bestehen sie aus Metallbändern, bald aus unendlich vielen zusam- 
mengeschweissten Stiftchen verschiedener oder gleichartiger Me- 
talle, bald sind sie aus ungleich geformten Elementen zusammen- 
gesetzt, der Wechsel ihrer zierlichen Mosaikmuster ist unendlich. 
Doch sind in der Sorgfalt und dem Reichthum der Arbeit die 
ältesten unter ihnen die vorzüglichsten, so dass schon hieraus auf 
das hohe Alter dieser Erfindung gefolgert werden darf. 4 
Die Vergänglichkeit des Eisens ist die Ursache, dass sich von 
antiken Waffen und Geräthen oder sonstigen Werken aus diesem 
Stoffe fast nichts erhielt, woran sich die Bekanntschaft der Alten 
mit dem Laminationsverfahren bei der Fabrikation eiserner Waffen 
und Geräthe nachweisen liesse, 5 aber wir sind davon überzeugt 
1 Vergl. darüber die 55. 6 u. 26 des ersten Bandes und andere Stellen der 
Schrift, die diesen Punkt betreffen. 
2 Vergl. Keramik s. 127. S. 202. 
3 Ueber Homogenität der keramischen Massen s. 5. 114, S. 122 der Keramik. 
4 Unter den Reichskleinodien (ehemals zu Aachen) ein angeblich aus 
Karls des Gr. Zeit stammender Sarazenensäbel. Andere alte sarazenische und 
maurisehe Schwerter in der königl. Waifensammlung zu Madrid. 
v. Murr, die kaiserlichen Zierden zu Aachen. 
Achille Jubinal, Description du Musee d'Artillerie de Madrid. 
5 Eisenschwerter mit ihren gleichfalls eisenbeschlagenen Scheiden, gefunden 
vor Kurzem in einem Pfahlbaile des Ncufehateller Sees, sind nach Form und
        

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