Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678814
Metallotechmn 
atallarbeiten). 
Schmiede 
Suhwe 
issen. 
545 
Produkts. Wir glauben, dass nach beiden Richtungen hin in 
den ersten vorgeschichtlichen Jahrhunderten der Verbreitung des 
Eisens mit einfachsten Mitteln mehr erstrebt und auch mehr er- 
reicht wurde, als in der ganzen geschichtlichen Zeit, mit Einschluss 
unseres eigenen eriindungsreichen Jahrhunderts. Wir glauben 
dies, weil uns der Orient mit seiner für jetzt bei uns noch un- 
erreichten Schmiedekunst dafür Zeugniss zu geben scheint. Ge- 
wiss hat sie dort seit Jahrtausenden keine wesentlichen Fortschritte 
gemacht, ist sie, wie so vieles Andere, was den stationären Zu- 
stand der orientalischen Kultur bezeichnet, ein uraltes, vorge- 
schichtliches Erbtheil. Auch die Entdeckung, dass sich Eisen- 
stücke in weissglühendem Zustande durch Pressung und Häm- 
merung unlöslich mit einander verbinden lassen (ohne Anwendung 
sonstiger mechanischer oder chemischer Vermittlungen), ist schon 
seit ältester Zeit bekannt und in rafiinirtester Weise für industrielle 
Zwecke angewandt werden. 1  
Wir halten diese Entdeckung und die höchst sinnreiche An- 
wendung, welche menschlicher Erlindungsgeist seit unvordenk- 
liehen Zeiten davon machte, für den interessantesten Gegenstand, 
den die Schmiedekunst in Bezug auf die uns beschäftigende Stil- 
frage bietet, wesshalb wir ihn hier unbedenklich voranstellen und 
als Anknüpfungspunkt für weitere stilistische Betrachtungen be- 
nützen. 
Das Schweissen ist im Oriente nicht sowohl das Mittel, die 
Stücke eines zusammengesetzten eisernen Systemes in seinen 
Gliederungen zu verbinden (denn dazu bedient man sich gemein- 
hin der Niethen, Heftel, Bänder, Spangen, Lappen und sonstigen 
Zwischenglieder oder Verbindungstheile, an denen nach ältester 
Tradition und Kunstsymbolik die orientalische Kunst aus prak- 
1 Nicht den Löthprsoeess, sondern das eigentliche Schweissen verstehen 
die alten Schriftsteller unter der vermeintlichen Erfindung des Glaukog von 
Chios, der Sie mit Recht eine sehr grosse Wichtigkeit beilegen. Das Gigant- 
liche Löthen, durch die Vermittlung des Bleies, wird von ihnen noch beson- 
ders, als eine unvollständige Art des Schweissens (ferruminatio, 1161117614; 
azöviwv), erwähnt. Glaukos war bei den Griechen der halbmythische Reprä- 
sentant und Schutzpatron der Eisenschmiedezunft. Daher war er ihnen auch, 
wo nicht der Eründer, doch vornehmster Meister der Kunst des Erweichens 
und Erhärtens des Eisens (Plutarch, de def. or. 47). Vergl. über die antike 
Art des Löthens Fea. zu Winkelmann, T11. V. S. 429. Dresden. 
Semper, Stil II. 69
        

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