Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678710
Metallotec-hn 
(ßletallarbeiten). 
Die 
igentlia 
weuti 
535 
Nun erst, erst seitdem der miichtige Zündstoff von Norden her 
Feuer gefangen hatte, erwachte für Italien die Begeisterung für 
die alte Kunst und öffnete sich der Blick für die Antike, von deren 
Üeberresten der klassische Boden überall noch überstreut war. So 
entsteht die neue Bildnerei und nach ihrem Vorgange erhebt sich 
bald auch, gegenüber der byzantinischen Flachmalerei, die herr- 
liche italienische (bildnerisch-plastische) Malerschule zu nie er- 
reichter, selbst den Alten ungekannter Höhe und Vollendung. 
Von unserem Standpunkte der Technik betrachtet, charakteri- 
sirt sich diese italische Renaissance als plastisch-stereoto misch, 
als Gegensatz des Byzantinismus und Orientalismus, den ich, von 
dem gleichen Standpunkte aus, Flachenstereotomie nannte. Den 
EinHuss der Toreutik auf den Stil der Architektur und Plastik der 
Renaissance haben wir schon früher hervorgehoben. Er spricht 
nicht nur deutlich aus Donatellds gleichsam stählernen, herben 
und reichmotivirten Metall- und Steinbildnereien, auch Michel- 
angelo ist Wenigstens ebenso sehr Toreut wie Plastiker. Er 
schafft aus dem vollen Steinblock, nach kleinen WVachsmodellen 
oder ganz ohne Vorlage, und folgt dem unmittelbaren Genius 
seines gewaltigen Meissels. Das ist nicht auf Stein übertragenes 
Thonmodell, sondern äcbte Steinskulptur! 
Gleichzeitig aber, wie für jene Meister das stereotomisehe Ele- 
ment mehr bezeichnend her-Vortritt, zeigt sich eine andere, nicht 
minder berechtigte und in ihren Leistungen bewunderungswvürdige 
Richtung der Bildnerei, die das plastische Element mehr hervor- 
hebt, Solcher folgten die Plastiker Lorenzo Ghiberti und Luca 
della Robbia mit ihren Schulen. Sie gipfelt in dem (eigentlich 
niederländischen) Meister Johann von Bologna. 
So liesse sich also auch hier die Parallele zwischen antiker 
Kunst und der Renaissance festhalten. Wie in der ältesten antiken 
Künstlergesehichte gewisse Namen die beiden entgegengesetzten 
altgriechischen Bildnerstile, den plastischen und den stereotomi- 
sehen, symbolisiren, wie die Verschmelzung beider nach verschie- 
denen Misehungsverhältnissen mit der Entwicklung der Bildnerei 
zusammenfällt, so wird das Gleiche oder Aehnliches auch für die 
Geschichte der modernen Bildnerei zu verfolgen sein. 
Auch in den Kleinkünsten, besonders den metallotechnischen, 
regt sich auf italischem Boden in Folge jenes allgemeinen Auf- 
schwungs neues, überall individuell und kräftig sich gestaltendes
        

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