Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678701
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Elftes 
Hauptstück. 
dung und Tendenz gelangen, gleichwie der Dorisnnis der Griechen 
erst durch die Antithese des Ionismus Existenz gewann und in 
dem Atticismus mit letzterem zu einer Synthesis zusammentrat. 
Ilalbmythische Künstlernamen auf der Grenze der neuen Kunst- 
geschichte sind Träger und gleichsam Symbole dieser beiden 
wichtigen Momente der gegenseitigen Ergänzung und gleichzeitigen 
prinzipiellen Sonderung östlicher und westlicher Kunst und Kunst- 
anschauung. 1 
War der Byzantinismus von dieser Seite her thätig, so wirkte 
ein Impuls ganz entgegengesetzter Art schon seit dem 1Oten Jahr- 
hunderte von jenseit der Alpen her auf Welschland. Die säch- 
sische Frührenaissance, von der oben die Rede war, konnte bei 
den damaligen nahen politischen Beziehungen zwischen Deutsch- 
land und Welschland auf die sich regende Kunst dieses Landes 
nicht ohne Einfluss bleiben. Dieser ältere Impuls, der gewiss 
mächtiger War als gewöhnlich angenommen wird und von Deutsch- 
land aus eben sowohl nach Frankreich wie nach Italien hin- 
überwirkte, ist von einer viel späteren Rückwirkung der so- 
genannten deutschen, d. h. durch das gothische System schon zum 
Theil gezüchteten nordischen freien Kunst auf Welschland wohl 
zu unterscheiden. 2 
1 Bonano, Giesser der hinteren Bronzethiire zu Pisa, noch hezeichnender 
Benedetto Antelami (1178), dessen Arbeiten im Dome zu Parma theils ent- 
schieden der byzantinischen, theils ebenso entschieden der lebendig-bewegten 
lateinischen Richtung angehören. Er schwankt offenbar zwischen beiden, hat 
daher schon eine Vorstellung des zwischen ihnen bestehenden Gegensatzes, 
worauf es vorzüglich ankam. Sollten, wie vermuthet wird, diese so verschie- 
denen Arbeiten nicht von demselben Meister Benedetto herrühren, dem sie in- 
schriftlich zugeschrieben werden, so Würde dies nur noch deutlicher beweisen, 
dass der Name hier für diese Krisis als Symbol galt.  Für die Malerei trat, 
die Krisi, von der wir sprechen, erst später. mit der Freskomalerei, als Er- 
satz für den hieratischen Mosaikschmuck, ein. Symbolische lllalernamen dafür 
sind die allbckannten des Cimabne (1240-1300) für Florenz, Duccio fiir 
Siena (wo schon vor ihm durch Guido da Siena der neue Geist erweckt wurde), 
Jacobus Toriti für Rom. 
2 Der ältere ljildnerstil des Nicole Pisano, der mit Recht als eine ver- 
friihte Renaissance bezeichnet wird, steht in nächster Beziehung zu jener noch 
früheren Renaissance des Nordens unter den sächsischen Kaisern, der spätere 
Stil des Giuvanni und seiner Schule ist dagegen schon gothiseh und hat die 
architektonische Zucht des Systems halb unwissend anerkannt. Es bedarf ge- 
raumer Zeit, um das Hemmende derselben für die freie Entfaltung der Bild- 
ncrci wiedcr zu überwinden.
        

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