Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678690
Metalluteuhnik 
(Metallarbuiten). 
Die 
eigentliche 
Toreutik. 
533 
wandte sich für die wichtigsten Dinge nach Konstantinopel oder 
nahm byzantinische Arbeiter zu deren Ausführung in Sold. 1 
Desiderius, Abt des Klosters zu Monte Cassino, beruft grie- 
chische hlosaicisten, um die Wölbung über dem Ilauptaltai- der 
neuen Klosterkirche auszuzieren. Junge Mönche lässt er von 
diesen Griechen unterweisen, weil man die Musivlnalerei withrend 
der vorhergehenden fünf Jahrhunderte in Italien wo nicht ganz 
ausgesetzt doch vernachlässigt habe. Später, im Anfange des 
13ten Jahrhunderts, also "gerade um die Zeit des Ervvachens der 
italienischen Kunstthätigkeit, kommen in Folge der Eroberung 
Konstantinopels durch die Franken reiche Kunstschätze aus dieser 
Hauptstadt des Ostens als Kriegsbeute nach Venedig und von da 
aus nach anderen Städten. Zugleich findet eine Emigration von 
Künstlern und Handwerkern statt. 
Die Wirkungen dieser Einflüsse waren dreifacher Art. Die 
nächste war die rasche Wiederaufnahme und Verbreitung der 
technischen Vortheile, Proceduren und Handgeschieklichlaeiten als 
erste Bedingungen jeder künstlerischen Erhebung. Doch beschränkt 
sich diese YVirkung nur auf einzelne Vortheile der Technik, be- 
sonders in der Flächendekoration, der Kunst in Metall und Stein 
zu schneiden, der Glas- und Mosaikarbeit, der verwandten Schmelz- 
arbeit u. dergl. Die zweite Wirkung war eine ästhetische, eine 
gewisse antik-traditionelle, freilich in Manier ausgeartete Eleganz 
der Umrisse und der Darstellung; die streng-geregelte Komposition, 
das mathematiseh-architektonische und zugleich hieratisehe Stil- 
gesetz der Byzantiner musste den verwilderten Formensinn der 
Italiener und das rüelzsiehtslose Vorschreiten einer plötzlich ent- 
fesselten bildnerisehen Thittiglaeit bändigen helfen, gerade wie die 
griechische Kunst zu ihrer höchsten Entwicklung und Vollendung 
des legislatorischen Haltes bedurfte, den sie in dem hieratisch- 
äg-yptisirenden strengen Dorisnius fand. Drittens konnte sieh erst 
an dem Gegensatz des Byzantinismus der Romanismxis selbst er- 
kennen lernen, zum vollen Bewusstsein seiner eigentlichen Sen- 
1 Die Palä- (Vßrü (Altarvorsatz) von S. lllnrco zu Venedig, 10tes Jalxrln, 
aus Konstantinopel, Emailgemälile auf Goldplntten. Die bronzebesulilagenen 
Üiiirfliigel von St. Paul ausser den Mauern bei Rom, ein Geschenk Hilde- 
bYillld-"h llilßlillvlligen Puhstes Gregor VlI. Die Felder eilthielteu flaulm figür- 
liulle Darstellungen in eingelegtem Silber mit Sehmclzarbeit. Abgeb. u. be- 
schrieben in lkgineourt. Andere desgl. zu Venedig". Ainzilii, Salemo u. s. w. 
Leo Ostiensia lll. e. 29. Rumolir l". I. S. 234i.
        

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