Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678675
Metallotechxxik 
(Metallarbeiten). 
Die 
eigentliche Toreutik. 
531 
Willkür. 
alles Hergebrachten und schrankenloser 
davon wenig oder nichts erhalten. 1 
Leider 
h at sich 
Italien. 
Barbarei und Verfall der Künste und jeglicher Art von Kunst- 
gesehick tritt in Italien noch rascher und vollständiger ein, als in 
den entferntesten Provinzen des ehemaligen westlichen Reichs. 
Doch ist diese Verwilderung nicht sowohl Zeichen der Abgestor- 
benheit aller nationalen und individuellen Lebenskraft und geistigen 
Befähigung bei den gemischt-barbarischen und eingebornen Bewoh- 
nern dieses Landes, als vielmehr einer den Künsten und der 
Kultur der Wissenschaften ungünstigen Richtung derselben. In- 
mitten unerhörter Verwirrungen, unter den Wehen einer kreisenden 
Welt, unter der überall nach Neugestaltung ringenden Gesellschaft, 
unter den Konflikten des Während langer anarehischer Zustände 
stark entwickelten Personalgefühls, theils mit gleichen ihm entgegen- 
tretenden Aeusserungen desselben, theils mit dem überall mächtig, 
aber gleichfalls individualistisch und systemlos sich äussernden 
bürgerlichen Gemeinsinn, unter den Kämpfen der noch unbe- 
1 Der Gefallen an Gold- und Silbergeräth für profane Zwecke tritt eigent- 
lich erst mit dem Anfang des 14ten Jahrh. hervor. Aber bald macht dieser 
Luxus solche Fortschritte, dass gesetzlich eingeschritten wurde. König Johann 
(von Frankreich) verbietet in einer Ordonnanz v. J. 1356 den Goldschmieden, 
Geräthe und Gefässe zu arbeiten über eine Mark Gold oder Silber im Gewicht, 
ausser für kirchliche Zwecke. 
Im Inventare des Herzogs von Anjou, Königs von Neapel, sind unter an- 
dern bizarren Gold- und Silbergeriithcn gleicher Art folgende Artikel beschrieben; 
Gussgefass (aiguiere): Ein Mann auf einem Untergestell; letzteres blau 
emaillirt, mit Leuten zu Pferd und zu Fuss, die einen Hirsch jagen. Der 
Mann, mit einem emaillirten Azurmantel, hält in seiner rechten Hand seine 
Mütze, deren Krempe den Ausguss bildet. 
Eine kleine goldene Kanne mit Ausguss in Form einer Rose; das Mund- 
stück als Delphin und der Knopf als Knospe. 
Salzfass: Ein Mann auf einem vergoldeten und ciselirteix Gestell; der 
Mann hat einen Filzhut auf dem Kopf, hält in der Rechten ein Salzfass aus 
Krystall mit Silbergarnitur und in der Linken einen Kirschbaum mit Blättern 
und Kirschen und Vögeln, die auf den Zweigen hüpfen. 
Vornehmste Prunkstücke waren die nefs, grosse Behälter in Form von 
Schiffen, für die Becher und die Tischgeräthe des Königs.  Ein grosses 
Schiff von Silber, vergoldet, auf 6 Löwen, an jedem Ende ein Kastell, worauf 
ein Engel, der Rumpf mit den YVappen Frankreichs in Email. (Labarte a. a. O. 
S. 230, wo die Nummern der betreffenden Manuscripte der Pariser Bibliothek 
aufgeführt sind.)
        

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