Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678616
Met-alloteuhnik 
(Metallarbeiten) 
eigentliche 
Die 
Toreutik. 
525 
Metallarbeiten thätig bewiesen zu haben. Die Vorliebe für orien- 
talische Kleiderstoffe, 1 Teppiche und Metallwaaren wurde durch 
einen lebhaften Handelsverkehr und die Einfuhr solcher Artikel 
begünstigt und gefördert. 
Auch aus dieser Zeit hat sich nur Weniges erhalten, worunter 
Theile des kaiserlichen Krönungsornates und einige metallische 
Ausstattungen des Aachener Domes das Bedeutendste. 2 Jene 
ganz im byzantinischen Blechstil, letztere in mehr antik-plastischer 
Behandlung, mit ornamentalen Theilen, die auf nordisch-skandina- 
vische Einwirkungen hinweisen. In dem Testamente des Kaisers, 
dessen Text uns Eginhart erhalten hat, figuriren Gold- und Silber- 
gerathe, deren allerdings flüchtige Beschreibung sie als sarazenische 
eingelegte Arbeit erscheinen lässt. 3 
Die oben erwähnten bronzenen Architekturtheile des Aachener 
Domes sind vielleicht die frühesten Zeugnisse wicdererwachter 
Thätigkeit einer alten Metallbildnerzunft, die während der nach- 
folgenden sächsischen Kaiserzeit höheren Aufschwung nahm. Was 
in dieser denkwürdigen Periode im Norden in den Künsten, unter 
Vorgang der plastischen Metallotechnik, geschah, war nichts mehr 
und nichts weniger als eine Frührenaissance der antiken 
Kunst schon im llten oder im l2ten Jahrhundert. Zu 
der Erklärung dieser Erscheinung reicht die damalige Ueberlegen- 
hcit der deutschen Prälaten und Fürsten in der klassischen Bildung 
schwerlich aus, so dass starke Verinuthungen vorliegen über das 
Bestehen eines oder mehrerer alter Mittelpunkte der Metalle- 
technik, als Verwahrer des antiken Kunstgebahrens in den ehe- 
mals römischen Marken Deutschlands (Augsburg und Lüttich?) 
wie _ein solcher für den Süden Frankreichs Limoges war. 
Die Thätigkeit dieser (leutsch-lateinischen BllClIIOYSClILIlG des 
llten, l2ten und 13ten Jahrhunderts, die sich neben einer gleich- 
zeitigen byzantinisirenden und einer andern durchaus barbarischen 
l Ueber karolingischen Geschmack im Geräthewesen s. 'I'ekt0nik ä. 142. 
2 v. Murr, die kaiserlichen Zierden zu Aachen. Arneth und Willemin. 
3 Eginhard. V. Caroli M. XXVII. Ein viereukiger silberner Tisch mit 
dem Plane von Konstantinopel, ein anderer rund mit den: Plane von Rom. 
Ein dritter überbot die andern noch an Gehalt und Schönheit. Auf 6 Zonen 
war die ganze Welt en miniature zierlich zmsgefiihrx, ein Orbis pictus. Ein 
vierter war von Gold. Der gleichzeitige Reichthum an Silber- und Goldba- 
schlägen in den Kirchen Roms übersteigt allen Glauben. Anastaains in vitis 
Hadriani I. et Lconis III. Bumsen, Beschreibung der Stadt Ronx. II. S. 751i
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.