Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678603
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Elftes 
Uaxxptstück. 
rischen Pruirksucht, die Goldschmiedskunst fast noch allein in 
Ehren gehalten und beschützt. Besondere Stütze fand sie in der 
Geistlichkeit und in den Klöstern, aber sie wurde auch von Laien 
und für dieselben Heissig geübt. Gewisse Städte, die vielleicht 
schon im Alterthuin Sitze dieser Industrie waren, gewannen sich 
im frühen Mittelalter gleichsam die Privilegien für die Ausübung 
der Goldschiniedskunst, die damals auch die Erzarbeiten und 
selbst die Kunstsehniiedcarbeiten umfasste. So Limoges, wo 
schon im (iten Jahrhundert ein gewisser Abbon als Meister der 
Metallotechnik hohe Berühmtheit genoss. Er war der Lehrer des 
heil. Aloisius (588, 1' 659), der seinen Meister bald übertraflund 
von Klotar II. mit wichtigen Auftragen beehrt wurde. Kl0tar's 
Nachfolger, Dagobert 11., erhob ihn zu hohen weltlichen und 
kirchlichen Aemtern, die ihn in den Stand setzten, die Künste 
mit Erfolg zu püegen und zu beschützen. Von seinen und den 
Werken seiner Zeit ist zwar fast nichts erhalten, l aber wir be- 
sitzen ausführliche Listen derselben, die uns St. Ouen, der Biograph 
des heil. Aloisius, und ein anonymer Geschichtschreiber des Klo- 
sters St. Denis überlieferten. Unter den dort aufgeführten Gegen- 
ständen waren einige von kolossalem Umfange: zwei goldene 
Throne, das Mausoleum des heil. Dionys, dessen niarmornes Dach 
mit Gold und Edelsteinen besetzt war, die Lade der heil. Geno- 
vefa, die des heil. Germanus und vor allen die goldene, überaus 
kostbare Lade des heil. Martin von 'l'ours. 
Ueber allgemeinen Charakter und Art dieser Werke lässt sich 
zunächst erkennen, dass sie zwar dem Geschmack der Zeit für 
Edelstein- und Goldplattenverzierung entsprachen, aber dass zu- 
gleich eine gewisse plastische, fast baroke Ueberfülle sie von den 
morgenländischen Werken der Zeit unterschied. Auch trat an 
ihnen zuerst eine ganz neue Richtung der Goldsehniiedskunst und 
allgemeinen Metallotechnik hervor, indem diese, schon durch die 
Aufnahme baulicher Formen an die Baukunst gefesselt, gleich- 
zeitig in ihren Werken die Gesammtwirkung architektonischer 
Monunientalität erstrebten  ein wichtigstes Moment für die 
Geschichte der Baukunst und der Kleinkünste des Mittelalters. 
Unter Karl dem Grossen scheinen byzantinische und sara- 
zenischc Einflüsse stark herübergeivirlat und sich auch in den 
1 Der Faltstuhl des Königes Dagobert, angeblich ein 
Aldisius, jetzt in dem Saale der Souveräne des Lauvre. 
heiligel 
des 
Werk
        

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