Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678580
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Hauptstück. 
Elftes 
klar ausgesprochene Gegensatz der hellenischen Kunstrichtung. 
Eine merkwürdige im Gefolge dieses Gegensatzes hervortretende 
Erscheinung haben wir schon in dem  14, dort freilich nur mit 
speziellerem Hinblick auf Farbenharmonie, bezeichnet, so dass 
wir uns hier wieder auf bereits Gesagtes berufen dürfen. 
Dort hicss es: Ruhe als Resultat raschester Vibration, Einför- 
migkeit des Reichthums sei das eigentlich orientalische Prinzip 
der Ürnamentation in Formen und Farben, das Prinzip der gleich- 
miissigen Vertheilung, im Gegensatze zu dem hellenischen Prin- 
zipe der Unterordnung und Autorität. Wie die freie Kunst im 
Üriente eigentlich niemals über die Grenzen hinausging, Welche 
die Befolgung des erstgenannten Prinzips dem Schmücken, Bilden 
und Darstellen, kurz jedem künstlerischen Streben steckt, so 
musste der Byzantinismus, als die Renaissance des Asiatenthums, 
die antike Kunst wieder in jene Grenzen des Stickereistils zurück- 
verweisen. 
Die toreutische Stickerei ist mit Hinblick auf die bekannten 
Eigenschaften der Metalle in stilistischer Beziehung so sehr ge- 
rechtfertigt, dass natürlicherweise die Metallotechnik, in diesem 
Sinne gefasst, nämlich als Flachenstereotomie im Stickereistil, der 
orientalischen Kunst im Allgemeinen zusagen musste und sie in 
ihr das Höchste, wonach sie streben konnte, erreichte. Es gilt 
von ihr das Gleiche, was  55 (S. 200 des ersten Bandes) über 
die orientalische Kunst im Allgemeinen enthält: dass nämlich 
innerhalb der bezeichneten Grenzen die Flächentoreutik und die 
freie Arabeske der Orientalen. für uns Vorbilder bleiben, an denen 
wir unsern Geschmack und unser Stilgefühl üben können. Dies 
erkannten die grossen Meister der Toreutik des löten und löten 
Jahrhunderts, indem sie ihre klassischen Erzeugnisse höherer 
Toreutik mit der orientalischen, feinciselirten oder eingelegten 
Arabeske gar zierlich und phantastisch umstrickten und umrankten. 
Doch, indem die gesammte Kunst des Orients gleichsam von 
der Toreutik erobert wird, verliert letztere zugleich das ihr eigen- 
thümliche Sondergebiet, indem sie sich immer entschiedener, je 
mehr sie sich von der Antike entfernt, auf den Standpunkt einer 
einfachen Hülfsprocedur für die Flächendekoration stellt. Wir 
werden sie daher in dieser Stellung in einem der nächstfolgenden 
Paragraphen wiederfinden.
        

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