Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678579
Met: 
xlloteclmik 
(Metallarbeiten). 
Die 
T0 reutik  
eigentliche 
521 
lässt für (1811 Thurm Medina zu Zara Fontainen in vergoldeter 
Bronze von Griechen aufführen. In seinem Palaste zu Cordova 
waren Thüren von Eisen mit Bronzebeschlägen; 1 ein Brunnen, 
getragen von 12 Löwen, mit Figuren und Arabesken, zierte den 
Hof; alles griechische Arbeit. 2 
In Persien und Indien sind noch jetzt mit reichen Skulpturen 
versehene Brunnen und Throne die gewöhnlichen Zierden der 
Paläste und Gärten.  
Der Stil dieser Werke ist an manchem noch Erhaltenen er- 
kennbar, und zwar beherrscht an ihnen die stereotomische Fla- 
chenbehandlung materiell und stilistisch den Mctallguss, dieser ist 
der vorbereitende Prozess, die Toreutik der formvollentlende und 
stilgebende. Daher auch hier Flacheniiberarbeitung und in Folge 
davon flache, scharf gemeisselte und ciselirte, gleichförmig gleich- 
sam gemusterte, streng konventionelle Bildung und Form;  
ein der gesammten Bildnerei der östlichen Länder gemeinsamer 
Typus. 3 
Wie Baukunst und Bildnerei, so ist auch byzantinisch-orientalisehe 
Malerei ihrem Wesen und Stile nach stereotcomisch, gleich- 
sam in Farben ausgeführte eingelegte Arbeit, Mosaik oder Schmelz- 
werk; das prinzipielle Gegcntheil der Malerei des Westens, die 
mit ihren ersten F lügelschlägen, nach dem langen Winterschlaf, 
in den sie versunken war, instinktmässig ihren alten Kurs, ihre 
frühere plastische Richtung wieder antritt. 
So ist denn der Byzantinismus der nach allen Seiten und 
Richtungen hin, von allen Standpunkten der Betrachtung aus 
1 Wahrscheinlich nach Art der alt-sächsischen, das Gerüst von Eisen, die 
Decke von Bronzeguss.  
2 Das noch vorhandene allerdings marmorne Brunnenbassin im Liiwenhofe 
der Alharnbra, mit 12 sehr streng stilisirten Löwen, ist wohl eine Nachbildung 
des Brunnens van Cordova. 
3 Der berühmte Stuhl des Dagobert aus vergoldeter Bronze (vielleicht kein 
eigentlich byzantinisches, sondern gallo-romanisches Werk) ist zwar gegossen, 
aber wegen der allgemeinen. gleichförmig scharfen und geschnittenen Be- 
handlung toreutisch. Der herrliche Löwe in Braunschweig, den nach früherer 
Annahme der Herzog Heinrich aus Byzanz mitbraehte (nach Lübke freilich 
ein SäChSiSChSS GllSSvverk), ist dem strengsten Ciselirstil angehörig und ein 
Musterexemplar byzantinischer Bildnerei. Viele kleinere Werke, Architektur- 
theile, Möbel, Thßfringe, Gitter, Altäre, Ampeln u. s. w. bestätigen den Ein- 
fiuss der Toreutik auf die byzant. Stilgestaltung. 
Semper, Stil Il. G6
        

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