Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678568
520 
Elftes 
Hauptstück. 
christlichen Kuppeln, besonders mit der Kirche Sta. Sophia zu 
Konstantinopel. In jenen sind die alten Symbole der Baukunst 
(die Säulenordnungen) noch in ihrem alten Sinne thtttig, in dieser 
treten sie nicht einmal mehr an den untergeordneten Nebenwerken 
in diesem Sinne auf, erscheinen sie nur in der bezeichneten neuen 
Verbindung und Umgestaltung. 
Die Bildnerei, als solche, nimmt gleichfalls neue Grundsätze 
an, theils im Gefolge der Architektur, von der sie wieder, wie 
vor Urzeiten, in strenge Zucht genommen wird, theils in Gemass- 
heit der herrschenden Flächentoreutik, die auf sie einwirkt. Sie 
sagt sich los von jenen durch hetruskisch-römische Vorliebe zum 
Weich-Plastischen korrumpirten hellenischen Ueberlieferungen und 
kehrt bewussterweise zu ältesten, lange vergessenen und umge- 
bildeten Typen zurück. Nicht ohne Wahrscheinlichkeit hat man 
z. B. in der spitzen, trockenen Akanthusbildung und der scharfen 
toreutischen Behandlung des alt-byzantinischen Laubwerks eine 
absichtliche Rückkehr zu phönikisch-syrischer Kunsttradition wahr- 
nehmen wollen, wie sie an den Felsengräbern des Kidronthales und 
sonst in Judäa hervortreten. 1 
Was immer hievon begründet sein oder auf falschen Voraus- 
setzungen beruhen mag, so kann das strengstilisirte byzantinische 
Akanthusblatt aus der stumpfen spätrömischen Erweichung dieses 
Ornaments nicht unmittelbar hervorgegangen sein, da es in ent- 
schiedenstem Widerspruche mit ihm steht. 
 Auch der Erzguss, die Gefässe und die eigentliche statuarische 
Bildnerei erfahren den Einfluss der Flächenstereotomie. Der 
Bronzeguss wurde in den ersten Jahrhunderten des Mittelalters 
keineswegs hintangesetzt, wie wir theils aus Nachrichten darüber 
wissen, theils an alten byzantinischen Bildwerken sehen. Ana- 
stasius zählt eine Menge bronzener Gegenstände auf, die während 
des Pontitikats des heil. Sylvester der Kirche geschenkt wurden. 
Später wird ihre Erwähnung seltener, zuletzt ist gar nicht mehr 
die Rede davon. Im 9ten Jahrh. waren jedoch die Byzantiner 
noch berühmt als Erzgiesser und Ciseleurs. Abdher-Rhaman 
1 Viollet Le Duc, Entretiens 1. Lief.  De Saulcy, Voyage en Terre Sainte. 
Die grossartigen Bauunternehmungen Knnstantins und seiner Nachfolger auf 
der Stelle des heiligen Grabes und sonst auf heiliger Erde, denen asiatische 
Baumeister vorstanden, konnten zu der Wiederaufnahme alt-syrischer Kunst- 
trailitionen-tlie leicht erklärliche Veranlassung geben.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.