Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678512
(Metallarbeiten). 
Metallotechnik 
Die 
eigentliche 
Toreutik. 
515 
trocken-eckigen Manier entfernt hält und in mehr naiver Weise 
hervortritt, nicht nach einem klar hingestellten konventionellen 
Kanon. 
Wie immer das Verhalten der alt-attischen Bildnerschule der 
pisistratidischen Zeit zu der uns besser bekannten äginetischen 
war, so nahmen beide (wenigstens im Technischen) verwandte 
Richtungen ganz Verschiedene Ausgänge, ' denn während die ägi- 
netische Künstlerschule nach dem Aufhören der Selbständigkeit der 
Insel um O1. 80, 3, ihrer alten Giessertechnik getreu verbleibend, 
nur noch in einer hochberühmten Kunstindustrie fortbesteht, be- 
ginnt der wundervolle Aufschwung der athenischen Bildnerei in 
der kolossalen, Elfenbein- und Gold-bekleideten Holzstatue mit 
einem Wiederanknüpfen an die ältesten landesüblichen tech- 
nischen Kunsttraditionen des Schnitzens und Hännnerns. 
Dieser Zeitpunkt verschaffte der Toreutik nicht nur Geltung 
als selbständige Kunst, er führte sogar eine gewisse Unterordnung 
aller übrigen bildnerischen Künste unter ihren Stil und Einfluss 
herbei. Mit Recht wird daher Phidias als der Begründer der 
Toreutik bezeichnet, denn er brachte diese Kunst zu höchsten 
Ehren, sowie Polyklet, der sie weiter durchbildete. Auch Myron, 
Kalamis undKalliniachos heissen Toreuten und waren es; nicht 
nur in kleineren Kunstgeräthen u. dergL, deren Verfertigung sie 
nicht verschmähten, auch in ihren grossen Werken, selbst in 
ihren Erzgüssen 2 und Marmorwerken waren sie Toreuten. 
Also damals War die gesammte bildende Kunst eigentlich der 
höheren Toreutik angehörig; aber diese allgemeine Richtung kon- 
centrirte sich noch besonders in gewissen Werken beschränkten 
Umfangs, in Nippsachen, Geräthen und Gefässen, die auch ma- 
' Zwei sitzende Figuren der Athene auf der Akropolis, der alßattiscllen 
Schule angehörig, leider sehr verstümmelt, treten in unmittelbarstezi Stilbezug 
zu den alten Skulpturen des lykischen Harpyexlmonuments und mittelbar durch 
letztere zu der ältesten asiatischen Kunst. Dessgleichen einige kleinere Reliefs_ 
 Das bekannte archaische Bildniss eines marathonischen Kriegers, mit dem 
Künstlernamen Aristokles, hat wenigstens ebenso viele Stilverwandtsehafi; mit 
jenen, wie mit den äusserlich bewegten, aber geistig starren äginetischen 
Giebeliiguren. 
2 Die kolossale erzgegossene Athene Promachos auf der Burg von Athen 
wurde durch den Toreuten Mys mit eingelegter Arbeit und Ciselirung vollendet. 
Der Schild enthielt Centaurenkämpfe nach Entwürfen des Parrhasios. Das 
Toreutische in ihr bestand aber noch in Anderem. Die ganze Erscheinung 
war toreutisch.
        

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