Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678505
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Elftes 
Hauptstück. 
Name diesen Uebergang repräsentirt. Nicht ohne Bedeutung er- 
scheint wenigstens in dieser Beziehung der Bericht über seinen 
Verkehr mit den angeblichen Eründern des Metallgusses, den 
Samiern Rhoekos und Theodoros, mit denen zusammen er das 
Labyrinth zu Lemnos erbaut haben sollte.  
Die durch den Athletenkult geförderte gymnische Richtung 
der Bildnerei scheint bald nach Smilis 1 von den Aegineten mit 
Eifer ergriffen worden zu sein. Ihr Ruf in diesem Genre, der 
den Erzguss begünstigte und ihn erst eigentlich zu Ehren brachte, 
war um Ol. 70 anerkannt und weit verbreitet. Der Aeginete 
Glaukias muss grossen und ausgedehnten Ruf als Porträtbildner 
gehabt haben, denn zugleich mit Gelon, Tyrann von Syrakus, sind 
Theagenes aus Thasos, Philon von Corcyra, Glaukos von Ka- 
rystos (oder ihre Verwandten) seine Kunden (O1. 70-80). Sein 
Landsmann Kallon war nach einer andern Richtung hin thätig, 
nämlich in der Ausstattung der Heiligthümer durch Prachtgefässe, 
Onatas, gleichfalls Aeginete, berühmt als Kolossalbildner in Erz- 
guss. Er und seine Zeitgenossen (O1. 75-80) übertragen den 
Metallgussstil der Athletenstatue auf die Götter- und Heroendar- 
stellung, können sich aber bei diesem Schritte von den zweifachen 
Schranken alter Zunfttraditionen und nicht ganz überwundenen 
technischen Ungeschicks im Metallguss (der jenen Zunfttraditionen 
nicht entsprach) nicht frei machen. 2 
Die äginetisehen Giebelfelder, aus der Zeit des Onatas, geben 
uns eine Vorstellung seines Stils. Sie sind in Marmor ausge- 
führter Metallguss vor dessen Befreiung von den Fesseln der 
Technik und einer nicht ihm angehörigen Tradition der Darstel- 
lung. Auch in Athen, der alten Metropolis der weitverbreiteten 
Dadalidenzunft, fand ungefähr gleichzeitig der Metallguss Auf- 
nahme, ohne jedoch die alte Schule der Schnitzerei und getrie- 
benen Arbeit in gleicher Weise in ihrer Existenz zu gefährden, 
wie dieses auf Aegina der Fall war. Eine Zeit hindurch stand 
letztere freilich unter ähnlichem Drucke eines fesselnden kon- 
ventionellen Metallgussstils wie zu Aegina, war die liebliche 
ionische Weichheit archaisch-attischer Kunst einem etwas herben 
Stile gewichen, der sich jedoch noch weit von der äginetischen 
4 Die ihm zugeschriebenen Werke sind noch erst Götterbilder, 
Technik und hieratischer Ueberlieferung. 
2 Ueber Onatas und die Aegineten s. Brunn, Einl. S. 90 E. 
nach alter
        

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