Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678494
Metallotechnik 
(Metallarbeiten). 
Toreutik. 
eigentliche 
Die 
513 
denn der Erzbildner Agelados aus Argos (Ol. 70-80) war Lehrer 
der Phidias, Myron und Polyklete. 
Nach Sikyon verlegt die Sage sogar die Erfindung der 
Plastik (Dibutades). Um Ol. 50, als kretische Dädaliden 1 sich 
in Sikyon ansiedelten, war es schon lange der Sitz einer alt-ein- 
heimischen Zunft von Metalloplasten. Auch in Argos scheint 
sich der gleiche Einfluss einer fremden stereotomischen Bildner- 
schule der einheimischen plastischen gegenüber (und zwar gleich- 
zeitig) geltend gemacht zu haben. Als Repräsentanten der Ver- 
einigung der Gegensätze beider Richtungendürfen vielleicht, wie 
für Argos der obengenannte Name Agelados, so für Sikyon der 
Name Kanachos gelten. Des Letzteren berühmteste Werke sind 
die Statuen des Apollo in Milet und Theben, erstere von Erz- 
guss, diese von Holz, im Stile beide gleich, noch streng, aber 
voller und weicher als der äginetische; sodann in Korinth eine 
sitzende Aphrodite, aus Gold und Elfenbein. Nach Plinius (36, 42) 
war er auch Marmorbildner. 
Kanachos bildete keine Schule, Wohl aber sein Bruder Ari- 
stokles (um Ol. 70), deren Eigenthümlichkeiten sich aber nicht 
näher bezeichnen lassen. Ihr Wirkungskreis war vornehmlich 
die Athletenbildnerei, also Darstellung des Nackten. 
Eine ähnliche Vermittlung der beiden Gegensätze (der Plastik 
mit dem Erzgusse einerseits, der Stereotomie mit der getriebenen 
Metallarbeit andererseits), nur in umgekehrter Ordnung, fand auch 
um dieselbe Zeit (nach O1. 50) in den alten Sitzen der dädalischen 
Kunst statt, in Aegina und Athen. Erstgenannter Ort war schon 
vor Alters berühmt als Sitz einer einheimischen Künstlerzunft, 
die in Holz und Elfenbein sehnitzte, gleichzeitig damit die getrie- 
bene Metallarbeit übte, dabei grosse Sorgfalt in der Ausführung 
und ein gewisses Festhalten an der strengen Zunfttradition zeigte. 
Smilis ist der einzige Name, der aus dieser alten äginetischen 
Kunstschule hervorragt und sich erhielt, vermuthlich desshalb, 
weil er sie zuerst in eine neue Bahn führte, oder wenigstens sein 
' DiPÜIIOS und Skyllis hatten im Auftrag des Magistrats der Sikyonier 
eine Gruppe des Apoll, der Artemis, des Herakles und der Athene angefangen, 
aber, wohl in Folge ihnen von der einheimischen Bildnerzunft gemachter In- 
triguen. die Stadt verlassen, ohne sie zu vollenden. Auf pythischen Orakel- 
spruch wurden sie durch hohen Lohn und andere Zugeständnisse veranlasst, 
die Arbeit wieder aufzunehmen. ' 
Somper, Stil II.
        

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