Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678380
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Elftes Hauptstück. 
serer Technik bei ihrer Bildung zur Begründung des auch hier 
gültigen allgemeinen Satzes, dass in jedem Falle der Charakter 
eines Werkes sowohl überhaupt, wie in dem Sinne seines Be- 
dungenseins durch Stoffliehes und angewandte Technik möglichst 
rein und entschieden sich aussprechen muss. Ein getriebenes 
Metallwerk soll mit geringster Mithülfedes Ciselireisens aus den 
Proceduren des Hämmerns hervorgehen; eine gegossene Erz- 
statue ist um so vollkommener, je Weniger ihre Gusshaut durch 
Meissel, Grabstiehel oder Feile verletzt wird; eine Arbeit des 
Kunstschmieds soll der Nachhülfe des Ciseleurs nicht bedürfen, 
sie soll gleichsam noch Funken sprühen, soll den klingenden Am- 
boss nachtönen, die Feile darf nicht zu laut dazwischen kreischen. 
Ebenso soll ein toreuiisches YVerk als solches sich rein aus- 
sprechen, es muss wie aus dem Vollen geschnitzt erscheinen; was 
die anderen Kräfte der Metallotechnik zur Erleichterung des Pro- 
cesses verarbeiteten, soll der Art sein, dass es entweder gar nicht 
oder nur als dienendes Moment der Formgebung hervortritt. Ein 
eiselirter silberner Krater z. B. soll nicht dünn sein wie ein ge- 
triebener, auch nicht in den allgemeinen Umrissen seinen Ur- 
sprung auf Hiissigem Wege verrathen, er darf vielmehr zeigen, 
dass es schwierig wäre, ihn gerade so auf anderem Wege zu Stande 
zu bringen oder zu vervielfältigen. Die Drehscheibe, die Schneide- 
und Bohr-Instrumente, die Feile haben ihn geschaffen. 
S0 viel vom Allgemeinen. 
Schwieriger ist es, über Fälle des Zusammenwirkens der ver- 
schiedenen Proceduren zu gemeinsamem Kunstzwecke sich auszu- 
sprechen. Im Prinzip ist ein solches Zusammenwirken wohl ge- 
rechtfertigt, jedoch immer unter der Bedingung der Unterordnung; 
das heisst eine Technik gebe den Ton an, die anderen mögen 
nur begleitend mitwirken; die Vertheilung der Rollen sei in 
dieser Beziehung wohl berechnet. 
Darüber das Nähere gelegentlich im Folgenden; nur so viel 
noch, dass die Gegensätze der aktiven und passiven Theile einer 
Struktur, des Fassenden und Eingefassten, des Sehmüekenden 
und Gesehmiickten, bei der Vertheilung dieser Rollen massgebend 
sind, dass in den meisten Fällen, wo die Toreutik nur mitwir- 
kend auftritt, dieser die einfasscnd thätige, dekorative Rolle zu 
Theil wird.
        

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