Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678336
Metallotechnik 
(Metallarbeiten). 
Das 
Metall 
als 
dehnbarer Bildsh 
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das Metall selbst in seiner natürlichen Farbe sich geltend machen 
kann, wo z. B. Eisenwerk zu bemalen ist, die dunklen Töne, 
Bronzefarbe, Rostfarbe, 1 oder Schwarz, dem Stile dieses Stoffes 
am meisten entsprechen. Bei dekorativen Strukturen dieser Art 
wird theilweise Oder gänzliche Vergoldung immer das Rathlichste 
sein. Doch wird diese Frage in einem besonderen Paragraphen 
über die Processe der Metall-Flächendekoration noch einmal zu 
berühren sein. 
Ketten.  Eine ganz besondere Species hieher gehöriger 
Metallprodukte sind die Ketten. Man darf sie als die nothwen- 
digen Ergebnisse zweier einander widerstrebender und dennoch 
durch die Kunst in Einklang gebrachter Momente der Forrngebung 
bezeichnen, indem bei ihnen die Aufgabe darin besteht, aus harter 
Masse ein undehnbares, möglichst festes und zugleich möglichst 
geschmeidiges Band zu schaffen, wobei die Eigenschaften der 
Dehnbarkeit, Biegsamkeit und Elastieität des zu beniitzenden 
Stoffs als nicht vorhanden oder doch als die Formgebung nur in 
negativem Sinne 2 mitbedingend betrachtet werden, sondern haupt- 
sächlich nur die absolute Festigkeit desselben als stoffliches Bil- 
dungsmoment auftritt. 
Die Lösung dieser Aufgabe besteht in der Gliederung, die 
das Wesen jeder Kette bildet. Eine vollkommene Kette ist eine 
Reihe von festen Elementen oder Gliedern, deren Zusammenhang 
nach der Richtung ihrer Reihung absolut ist, aber für solche äussere 
Wirkungen nicht besteht, die eine andere Richtung haben. Ketten, 
welche letztere Bedingung nur halb erfüllen, d. h. die nur nach 
einer bestimmten Richtung hin absolut geschmeidig sind, nennt 
man Bandketten, deren Gebrauch, neben den allseitig geschmei- 
digen, in den technischen Künsten bis auf die ältesten Zeiten 
hinaufreicht. Sie Waren stets, und sind noch, Wichtige Bestand- 
theile kriegerischer Ausrüstung, als Gürtel, Schulter- und Hals- 
bergen, Degenkoppeln und in vielen anderen Anwendungen. Die 
Agraffen, d. h. die zum Oeffnen eingerichteten beiden Schluss- 
glieder Sßlßher Bandketten, Waren von Alters her Gegenstand 
l Die saynerhütte bei Koblenz ist rostfarbig angelegt. Wir glauben, dass die 
Rostfarbe, die der Marmor annimmt, bei der polychromen Ausstattung der Marmor- 
werke von den Alten berücksichtigt wurde. S. Schlussbemerkungen S. 518. Bd, I. 
2 Bei starken Ketten sind z. B. die Glieder in ihrer Form durch die ge- 
nannten Eigenschaften bedungen, indem sie innere Stege erhalten oder an den 
Angriffsenden verstärkt werden müssen, 
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Stil lI.
        

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