Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673768
40 
Fünftes 
Hauptstück. 
gearbeitet, in Form eines Gebäudes mit acht Knäufen (ouvre s 
huit chapiteaulxl en facon de magonnerie), und sind an dem Deckel 
(le pinacle) des genannten Gefässes acht Thüren (osteaulx) an- 
gebracht, und ist der Fuss aus durchbrochener Arbeit." 
„Ein goldenes (Encencier) mit acht Giebeln und acht Thürmchenß 
Diese Form des genannten Gefässes in Nachbildung eines Ge- 
bäudes blieb auch noch in der Renaissancezeit Mode, wie ein 
schöner Kupferstich eines solchen von Martin Schöngauer darlegt. 
Sie tritt uns in den anmuthigsten Varietäten nicht selten auf alt- 
deutschen und vorzüglich altflämischen Oelbildern entgegen. 
Es mögen noch zweitens die Sanduhren, eine Art von 
Doppelgefass innerhalb eines dreifussähnlichen Gestells, unter die- 
sen Typen der Gefasskunst Erwähnung finden. Sie waren im 
Alterthum nicht gekannt und sind eine Erfindung der christlichen 
Zeit. Man wusste sie, wie jeden anderen Gegenstand des Haus- 
rathes, mit dem Ende des Mittelalters und zur Renaissancezeit 
auf das Beste künstlerisch auszubilden. 
Das Gleiche gilt drittens unter anderen Motiven, wie Etuis, Din- 
tenfassern, Pulverflaschen u. dgl., vornehmlich von den der symboli- 
schen Ausstattung ein so reiches Feld darbietenden Salzfässern. 
Alte Salzfässer, in reicher Goldsehmiedsarbeit, werden gezeigt 
in dem New College und in dem Corpus Christi College zu Oxford. 
Hier sind als bekannte Exemplare auch zu erwähnen die Salz- 
fässer, welche Pierre Reymond, der berühmte limusiner Email- 
arbeiter, für Franz den Ersten anfertigte. (Dargestellt in dem 
Werke Moyen äge et Ren. Vol. V. Emaux.) Sodann das zu Wien 
befindliche Salzfass Benvenuto Cellinfs, das er für Franz I. machte. 
Ein Salzfass, aus feiner Henry II. F ayence, nach Brongniart 
muthmasslich lombardische Arbeit, gehört zu den geschmackvoll- 
sten Produkten der Keramik des 16. Jahrhunderts. (Siehe Brong- 
niart's Atlas, tab. 37.) 
Auf einer Ausstellung von alten Goldschmiedsarbeiten, die im 
Jahre 1849 zu London stattfand, hatte man Gelegenheit den 
Reichthum an Gegenständen dieser Art, der in den Privatsamm- 
lungen Englands verborgen steckt, zu bewundern, obschon nur 
der geringste Theil der Besitzer gsich entschliessen konnte seine 
Schätze den Augen des Publikums bloszustellen.  Unter diesen 
Sachen bildeten die Salzfässer eins der am zahlreichsten und 
1 Labarte 
Dumenil. p. 
C011. 
und Nr. 
233 
956.
        

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