Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678243
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Elftes 
Hauptstück. 
Die Zusammenfügung der nunmehr unverschiebbaren Theile musste 
fester sein und geschah nicht mehr in ringförmiger Gliederung, 
sondern in der Richtung der proportionalen Entwicklung von 
oben nach unten, also in Nähten, wie bei den Gewändern (siehe 
ä. 20 des ersten Bandes), wonach sich auch ihre dekorative Be- 
handlung richtete (s.  19 ebendaselbst). Man kam ferner der 
Festigkeit wegen auf das Bauehen der Waffenstücke, woraus 
ein neues Stilmoment der Metallotechnik hervorging, dessen stili- 
stischer Werth mit der Aufnahme der bezeichneten Bewaffnungs- 
methode wohl erst klarer hervortrat. Der kesselartig gewölbte, 
kreisförmige, argolische Schild ist ein einfachstes und reinstes 
Ergebniss dieses struktiven Prinzips. Der Thorax wurde den 
Formen des Brustgewölbes nachgebildet, mit senkrechten, durch 
Heftel verbundenen Fugen oder Nähten unter den Armen. So 
auch die Beinschienen; indem sie den Formen des Leibes sich 
anschmiegen, ist ihre Bauchung zugleich für den bezeichneten 
Zweck (erreiehbarster Rigidität) die günstigste. 
Die Waffenschmiedekunst des sinkenden Mittelalters sollte in 
ihrem verzweifelten Ringen gegen die vernichtende Gewalt des 
Pulvers die der Alten noch verdunkeln. Nachdem man seit der 
zweiten Hälfte des 13ten Jahrhunderts angefangen hatte den bei 
den nordischen Völkern früh eingeführten asiatischen Ketten- 
panzer mit einzelnen vollen Metallplatten zu verstärken, ging 
man zu Anfang des 14ten Jahrh. zu dem Harnisch und dem ganz 
geschlossenen Visirhelm über. Die volle Rüstung, ganz aus flachem 
Eisen, zeigt sich erst in den letzten Jahren des 14ten Jahrh. oder 
gar erst zu Beginn des löten. Dies ist eigentlich die Zeit des 
Höhenpunktes der modernen Panhoplie in Beziehung auf technisch- 
zweckliche Vervollkommnung. Aber das Gesetz tritt noch rein 
schematisch auf, der Harnisch ist scharf gebaut, stark gewölbt, 
gerieft, in allem wohl berechnet, um die Stösse abgleiten zu 
lassen und ihnen Widerstand zu leisten; Schweifungen, Kanten 
und Riefen sind noch unverholene technische Verstürkungsmittel, 
das gothische Prinzip der unverkleideten Struktur waltet noch 
vor, die Absicht des Schmückens bleibt dabei untergeordnet oder 
befolgt vielmehr nur technische Motive. Einzelne Theile beginnen 
erst in der zweiten Hälfte des löten Jahrh. sich dekorativ zu be- 
reichern, d. h. die bereits im Schema vollendete Tubularstruktur 
findet ihren bildlichen und künstlerischen Ausdruck. Von nun
        

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