Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678201
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Elftes 
Hauptstück. 
grossen Meister der Frührenaissance mit ihrer neuen Kunst ver- 
herrlichen. 1 Die Hochrenaissance verlässt wieder diesen Gold- 
schmiedsgeschmack und Weiss den Reiz metallischen Gianzes ge- 
bührend zu mässigen. Aber gegen das Ende dieser herrlichen 
Periode des Aufschwungs derwKiinste. tritt 1baYbELTiSChGl' Metall- 
bekleidungsprunk nochmals hervor (Venedig und. Frankreich unter 
Louis XIII. und. Louis XIV.). 2 
Auf das goldene Alter und das silberne folgt das 
eherne. Auch in diesem herrscht noch der ursprüngliche Blech- 
stil, aber das Verhalten zwischen der Decke und dem Gedeckten 
ändert sich. Die Unterlage ist nicht mehr nöthiger Halt der in 
sich schwachen und nachgiebigen Goldkruste, das festere und 
dickere eherne Kleid ist vielmehr Schutzmittel und Stärkung 
des weicheren Kernes. Die liletallotechnik erweitert ihr Gebiet 
und erhält statt der rein dekorativen eine mehr zweckliche Rich- 
tung, auf der sie von den alten Traditionen abweicht, in soweit 
-a.ls der härtere Stoff und die Zwecklichkeit es erheischen, indem 
sie ihren ihr angehörigen Typus aus den schwerer zu beherr- 
schenden technischen Erfordernissen des spröderen Stoffs ent- 
wickelt, einen Typus, dessen, Bedeutung nicht nur für diesen 
Theil der Metallotechnik und für letztere überhaupt, sondern für 
die gesammte Kunst aller Zeiten bereits öfter betont wurde. 
Zu den Gegenständen dieser Technik gehören in erster Linie 
die Angritfs- und SehutzwaHen, über die zur Ergänzung des oben 
Angeführten und sonst in dieser Schrift darüber Enthaltenen noch 
Einiges folgen mag. 
Die älteste Anwendung des Metalls für den Angriff ist un- 
zweifelhaft wieder der Blechbeschlag: hölzerne Keulen, Pfeile, 
Speere  andere. Angriffswaffen wurden beschlagen, um sie zu 
schärfen, gewichtiger, zerstörender, zugleich unzerstörbarer zu 
machen. Schon unter den Ueberresten der Steinperiode finden 
sie sich vermischt mit Geräthen und Waffen aus Stein, als Zeug- 
nisse des Uebergangs von jener zu der ihr folgenden Erzperiode. 
Sie sind interessant als erste Anwendung des ursprünglich rein 
dekorativen Metallkleides zu Stärkung des damit Bekleideten. 
1 Siehe über beide 
2 Siehe hierüber ä. 
Cicognara und Texier. 
157 der Tektonik, S. 342.
        

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