Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678189
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Elftes 
Hauptstück. 
Schutzmittels mit seiner ebenso nothwcndigen Nachgiebigkeit in 
Widerspruch tritt, den die Kunst zu vermitteln hat. 
Die Seltenheit, Kostbarkeit und schwierige Gewinnung gedie- 
gener Metalle in grösseren Massen könnten noch als negative 
Eigenschaften, d. h. als Mängel, die ihre Anwendung erschweren, 
aufgeführt werden, wäre es nicht Thatsache, dass gerade diese 
in barbarischen Zeiten zu massenhaftester Metallvergeudung in 
den Künsten erst den Antrieb gaben. 
Die Werke ältester Metallotechnik sind einfachste und stil- 
gerechteste Folgerungen dieser und anderer mehr zwecklicher und 
lokaler Prämissen. Unter diesen sind gewisse Gegenstände aus 
Goldblech zunächst zu berücksichtigen, weil sie erstens wegen der 
Unzersetzbarkeit der Materie die ältesten sein können, weil sie 
zweitens auch faktisch die Kennzeichen höchsten Alters oder doch 
primitivster Kunst an sich tragen. 
Der frühesten Anwendung der Goldplatten gehören, dem Stil 
nach, gewisse Zierrathcn an, die noch ganz {lach sind und höch- 
stens einige leicht eingravirte oder eingestempelte Ornamente ent- 
halten. Dergleichen Schmuckgegenstände, mitunter von bedeu- 
tendem Umfang, rühren aus ältesten Gräbern Egyptens 1 und 
Etruriens. 2 Auch in Kelten-, Germanen- und Finnengräbern 
fand man dergleichen. Die erste reiche Beute der Entdecker 
Amerikas bestand aus ähnlichen goldenen Schmuckplatten der 
Indianer. 
Eine prachtvolle Brustplatte aus Gold fand man zu Barlow 
(Essex), 3 von durchaus ungewisser Abkunft und Zeit. Diente 
wahrscheinlich als Bekleidung eines metallnen Brustharnisches; 
ist durch gestempelte Höcker und Vertiefungen geziert, die an 
ihr schon den Zweck des Steifens der Fläche durch Runzelung 
(Corrugation) derselben zu verrathen scheinen. 
Jenen frühesten Goldbekleidungen dürfen wir auch einige 
merkwürdige Goldmasken anreihen, durch deren Vermittlung 
uns die getreuen Porträts ältester Könige Chaldäefs und Egyptens 
erhalten wurden. 
Die Vorliebe der antiken Goldschmiedskunst für den Blechstil 
und 
1 Britt. Mus. Louvre. Zinnerne Platten mit eingravirten Hieroglyphen 
Göttern in Mumiensärgen, 
2 Mus. Gregor. 
5 Britt. Mus. Siehe Archaeologia V01. 26, p. 429.
        

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