Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673753
Keramik. 
Klassifikation 
Gefässe. 
der 
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selbe in ihrem Zusammenhange mit dem was die gesammte Rich- 
tung der Kleinkünste im Mittelalter charakterisirt zurückzukom- 
men. Immerhin ermangeln diese spätromanischen und gothischen 
turibula keineswegs eines gewissen phantastisch feierlichen Ernstes, 
und darf man ihnen den Stil nicht absprechen, nur dass dieser 
hier nicht aus inneren gleichsam in dem Gegenstande selbst ent- 
haltenen Motiven hervorgeht, sondern äusserlich durch die Hier- 
archie, welche die Baukunst über alle anderen Künste übte, auf- 
gedrückt erscheint. 1 In Beziehung auf die erwähnten Räucher- 
gefasse der romanischen Zeit ist des Theophilus 59. Kapitel des 
dritten Buchs der diversarum artium schedula zu berücksichtigen. 
Dergleichen Gefässe, Wegen ihres Metallwerthes stets Gegen- 
stand der Raub- und Zerstörungssucht, sind selten. In der vati- 
kanischen Bibliothek wird ein prächti- 
 ges incensorium in Form einer runden 
 zweistöckigen Kapelle gezeigt, ein Werk 
yi-qdmlplliilf  des dreizehnten Jahrhunderts; ein an- 
 deres Exemplar, dem Hrn. Architekten 
 B-guvignat zu Lille angehörignnd ron 
 T,  Didron in seinen Annalen verotfentlicht 
  lqßlbligflfk und beschrieben, stammt aus einer Zeit 
 in welcher das architektonische Element 
 die Herrschaft über die Kleinkünste in 
 der weiter oben bezeichneten Weise noch 
tlii nicht gewonnen hatte. Obschon nur aus 
  f  Bronze wird es dennoch mit Recht als 
 eins der schönsten Werke des Mittel- 
Inßsnsorium- alters gerühmt. 
Gothische Weihrauchpfannen finden 
sich häufiger, sowohl in Sammlungen als hie und da in den 
Thesauren der Kirchen und Klöster. 2 
In den Inventarien des Herzogs von Anjou und Karls V. von 
Frankreich sind sie folgender Weise beschrieben: 
„Ein grosses nencencier" aus Gold, für die Kapelle des Königs 
1 Obgleich diess an diesem Exempel weniger auffällig hervortritt als an 
andern, indem hier wenigstens wegen der nothwendigen Durchbrechungen 
der Gedanke an Fenster und Thüren nahe liegt. 
9 Didron. Annal. tom III. p. 206. In dieser Zeitschrift sind verschiedene 
dem 12., 13. und 14. Jahrhundert angehörige Weihrauchgefässe gegeben.
        

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