Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678132
Stereotomie 
(Steinkonstruktion). 
Technisch-Historisches. 
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mogenes den dorisch vorbereiteten Tempel des Dionysos zu Teos 
und erbaute ihn in ionischer Weise, nicht weil sie dem lyrisch- 
asiatischen Bakchuskulte mehr entspricht, sondern (wenigstens vor- 
geblich) wegen gewisser äusserlich technischer Vorzüge, welche 
diese Weise vor der dorischen voraushabe, in Wahrheit aber wohl, 
weil sie dem Ionier einmal im Gefühle lag und geläufig vrar. 
Der Standpunkt objektiver Beherrschung der drei (oder vier) 
Ordnungen, ihrer symbolischen Verwerthung bei bestimmter her- 
vortretendem Streben nach Charakteristik und individuellem Aus- 
druck in der Baukunst konnte erst nach dem Erlöschen ihrer 
historischen und subjektiv-typischen Geltung gewonnen werden; 
hierin den drei Tongeschlechtern der alten Musik vergleichbar, 
deren Unterschiede ebenfalls ursprünglich nur volksthümlichen 
Verschiedenheiten entsprachen und daraus hervorgingen. 
Dieser allerbedeutsamste Wendepunkt in der Architekturge- 
schichte bereitet sich schon vor in der makedonischen Zeit, trifft 
noch genauer mit der Befestigung der römischen Weltherrschaft 
zusammen; aber zu vollster Objektivität und Freiheit in der sym- 
bolischen Verwerthung der durch den Hellenismus gereinigten 
urältesten Typen erhebt sich erst, nach langem Winterschlaf, die 
neuerwachte alte Kunst. Dieser Umstand trägt, wie mir scheint, 
ein Wesentliches dazu bei, uns die grossartige Ueberlegenheit der 
Renaissancekunst zu erklären, welche sie über alles Vorherdage- 
wesene, mit Einschluss sogar der höchsten Kunst der Griechen, 
stellt. Dennoch hat sie nicht das Ziel, sondern wohl erst kaum 
die Hälfte ihrer Entwicklungsbahn erreicht, auf der sie, durch die 
Ungunst des modernen Zeitgeistes, von ihrer makrokosmischen 
Schwesterkunst, der Musik, überholt und in trostloser Entfernung 
zurückgelassen wurde. 
iodi-
        

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