Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678056
(Steinkonstruktion). 
Stereotomie 
lkachnisch-Historisches. 
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bilder in den Weihesäulen und Vasenuntersätzen erkannten, näm- 
lich Modifikationen des gleichen in dem Omphalos des Daches 
enthaltenen Grundgedankens. Die Stege der Schäfte verlaufen 
sieh unter dem Kaufe schilfblattartig, ein Motiv das auch die do- 
rische Säule, am deutlichsten in ihrer ältesten Bildung, ausspricht. 
An diesen ersten Blattüberwurf knüpft sich dann ein zweiter 
und aus diesem wächst das Akanthusgerank des Kelchknaufs 
hervor, gerade wie oben. Aber bei allem Ideenreichthum, den 
jenes Monument in dem Sinne der neuen Ordnung darlegt, er- 
scheint letztere in ihm dennoch keineswegs in sich vollendet, denn, 
abgesehen von manchem Schwankenden in der Behandlung der 
Blattzierden u. s. w., ist sein Rahmenwerk mit geringer Veran- 
derung in den Details noch das ionische Zahnschnittsgebälk, es 
steht in keiner Beziehung zu dem in dem Stützwerk enthaltenen 
Prinzipe, es sei denn durch den Gegenstand und die kecke Be- 
handlung der dionysischen Friesskulpturen. 
Und hierin scheint die Hauptschwierigkeit bei Feststellung der 
neuen Ordnung gelegen zu haben, denn es herrscht die grösste 
Willkür und Unsicherheit in der Behandlung und Charakteristik 
des korinthischen Gebälks. In dem Bestreben, das ionische zu 
korinthisiren, glaubte man diess durch grösseren Gliederreiehthum 
und plastische Fülle zu erreichen. Auch verfiel man auf den 
Schmuck der Blattkonsolen, bald in Verbindung mit den ioni- 
sehen Zahnschnitten bald ohne dieselben. Aber alles diess war 
nur willkürlich dem Alten hinzugefügt, war dem neuen Gedanken 
nicht unmittelbar entsprossen oder durch ihn bedungcn. 
Nur eine Erfindung war völlig aus dem dorisch-korinthisehen 
Grundgedanken hervorgegangen, eine Neuerung die wieder vor 
unseren hohen Kunstrichtern, wie. so manches an sich Wohlbe- 
rechtigte, als Ausgeburt später Willkür und als Geschmacksver- 
irrung keine Gnade fand, ich meine die Wiederaufnahme der 
dorischen Idee den Fries als dynamisch thätigen Theil 
zu behandeln, und zivar in korinthischem Geiste, nämlich als 
elastisch aufwärts strebenden leicht überfallenden Blattkrzinz, als 
leise geschwungene steigende Welle, welche die Last des Decken- 
rahmenwerks federkräftig aufnimmt und auf das Epistylion über- 
trägt. In dieser Beziehung ist der nicht lange bekannte zwar 
noch ionische aber bereits stark korinthisirende Zeustempel zu 
Aizani ein köstliches Dokument der Stilgeschichte, als ein noch
        

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