Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678030
Stereotomie 
(Steinkonstrulstiun). 
'l'echuisch-Historisuhes. 
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halten, oder wäre sie unter den Trümmern Athens und Kleinasicns 
erstanden; wie denn wirklich mit der Nachahmung jener klassischen 
Werke alter Kunst und der sieh an sie klammernden Kunstkritik 
die Baukunst ihre schöpferische Unbefangenheit verloren hat. 
Vitruv, im vierten Kapitel seines vierten Buchs, führt an, einige 
der alten Architekten hatten die dorische Ordnung als fehlerhaft 
und unbequem verworfen, unter ihnen Argelius, der Architekt 
des Aeskulaptempels zu Tralles, Pythius, der Erbauer des Athene- 
tempels zu Priene und des Mausoleums zu Halikarnass, Hernio- 
genes, der berühmte Baumeister des magnetischen Tempels der 
Artemis Leukophryne und des Bakchustempels zu Teos. Dieser 
habe sogar, als zu Teos das Material für einen dorischen Bau 
schon vorbereitet war, es uinarbeiten lassen und den Tempel in 
ioniseher Weise damit aufgeführt, „nicht sowohl weil es der 
dorischen an Schönheit und Würde gebreche, sondern 
weil sie bei d er Einth eilung der Triglyphen und Decken 
manniehfaehe Schwierigkeiten biete." Obschon sich diese 
Notiz nur auf asiatische Tempel bezieht, so beweisen doch die 
allerdings seltenen Bauüberreste auf alt-hellenischem Boden aus der 
Periode kurz vor und während der makedonischen Herrschaft, in 
welche die Tlhätigkeit jener Architekten fällt, das's zu dieser Zeit 
überall an der dorischen YVcise nur noch äusserlich festgehalten 
wurde, wonach dann die nicht mehr innerlich begründeten Struk- 
turschranken, welche sie auferlegte, bald zivecklos und lästig 
erscheinen und dem Zeitgeiste zum Opfer fallen mussten. 
Was daifüi" zunächst an die Stelle trat war aber seinerseits 
nicht minder gebunden, wenn auch in andrer Art, nämlich durch 
die iVidersprüche die aus der pcripterischen Anwendung des ur- 
sprünglich fricslosen und lIYPOSlZYlBII ionischen Säiulengerüstes her- 
vorgingen, Welche Selbst die höchste Kunst der Griechen niemals 
ganz zu überwinden vermochteß Wie also einmal die Gegen- 
sätze zwischen Dorismus und Ionismus ihre politisch-ethische Be- 
deutung verloren hatten, war auch der ionischen Weise nach glei- 
chen Zwecklichkeitsgründen das Urtheil gesprochen; dessen waren 
sich wahrscheinlich schon jene genannten Meister der ionischen 
lDie Auskunftsmittel zu denen man zu greifen sich genöthigt sah, um den 
Volutenknauf der peripterisehen äusseren und (ler peristylen inneren Ecksäulc 
anzupassen, nebst anderen ähnlichen sind sännntliuh als misslungen zu bu- 
irachten. Siehe K. Böttichefs Ionica S. 10 u. 1T. Auch 'l'afel 29 u. 33.
        

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