Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1678005
464 
Zehntes 
Ilauptstück. 
erst zu einem Steinpegma gleichsam freiwillig zusammentretend, 
nicht als absolut lixirt, durch ihre Symbolik charakterisirt sind. 
Desshalb entspricht die ionische Weise dem monumentalen Be- 
griffe zwar kaum weniger vollständig als die dorische, aber in 
anderer, einem feineren Stoffe, dem Marmor, und vornehmlich 
dem ionischen der individuellen Entwicklung zugewandten Wesen 
mehr angemessener Art. 
171. 
Weise. 
korinthische 
Die 
Auch sie ist in dem, was sie äusserlich am meisten charakte- 
risirt, uralt und vorhistorisch, nämlich in dem Kelchkapi- 
täl, mit ihn umgebendem, den Abakus gleichsam elastisch empor- 
haltendem Blätterkranz, der zugleich der Säule als Ganzes für sich 
zur Bekrönting dient, Während der Abakus schon das von der 
Säule zu Tragende einleitet und gleichsam vertritt. Dieser Kelch- 
knauf verhält sich zu dem dorischen kesselförmigen Eehinilsknauf 
wie das dorische Kymation (der Blattüberfall) zu dem Viertels- 
stab mit dem Eierkranz; beide drücken dasselbe aus, beide sind 
wahrscheinlich zunächst keramischen urkulturgesehiehtliehen Ur- 
sprungs, nur dass ersterer, der Kelchknauf, diesen seinen Ursprung 
aus einer ältesten plastisch-deeorativen Richtung der Kera- 
mik in mehr realistischer Weise festhält, der dorische Kessel- 
knauf dagegen sich früher als jener an dem Steinpegma (viel- 
leicht durch Vermittlung der Töpferscheibe) zu einem streng-monu- 
mentalen Struktursymbole heranbildet. 
Der kcrinthische Knauf in seiner wahrscheinlich alterthüm- 
liebsten Form als einfacher oder doppelter Blattkranz ohne Vo- 
luten ist gleich dem dorischen für peripterische Anwendung wie 
geschaffen, obschon beide wohl nur erfunden wurden um der ver- 
einzelten Stele oder dem Gefässfusse als Bekrönung zu dienen. 
Diesen seinen peripterischen Charakter verliert der Kelehknauf 
selbst nicht durch die Erfindung def lwrirlthisehen Vclute, die 
als eine ionisirende Beimischung zu dem reinen Kelehsehema sich 
ankündet, mag schon auch diese gleichfalls viel älter sein als 
alle beglaubigte Kunsthistorie. 1 
lDie bekannte Kiinstlernovelle, welche den späten Kallilnachos zum Erfin. 
der des korinthischen Volutenkapitiils macht, widerlegt sich theils (hin-h vor-
        

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