Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677852
Stereotomie 
(Steinkonstruktion). 
-Historisches_ 
'I'echnisch- 
449 
' Denn, wie gesagt, die meisten noch in ihrem System erkenn- 
baren kleinasiatisch-ionischen Werke sind späten, nämlich ale- 
xandrinischen oder gar erst römischen Ursprungs; was aber die 
attischen und poloponnesischen betrifft, so bilden sie eine abge- 
sonderte Gruppe für sich, die wieder, gerade wie im Dorischen, 
den älteren Kanon in Veredelter Durchbildung und Verfeinerung 
befolgt. 
Die ionische Marmortektonik musste sich eine Norm schaffen, 
die nothwendig von der Norm der dorischen Porostektonik abwich; 
denn Weitere und leichtere Epistylien, also auch entfernter stehende 
und zugleich schlanker gebildete Stützen sind eben so sehr für 
jene stofflich bedungen, wie sie ihrem inneren Geiste entsprechen. 
Aber sie erreichte diese ihr konforme Entwicklung nicht plötz- 
lich, sondern schrittweise, und diese stufenweisen Uebergänge 
von der alten dorischen Norm durch eine mittel-ionische zu einer 
spät-ionischen glauben wir an den vorhandenen Monumenten 
trotz ihrer Liickenhaftigkeit verfolgen zu können. 
Für die erstere ist noch die Weite von drei Säulenentfernun- 
gen, von Mitte zu Mitte gerechnet, das Mass der mittleren 1 Höhe 
der Ordnung, vorn Stereobat (der Sohle) bis zum obersten Rande 
der Rinnleiste des Gesimmses. Dieser Norm entsprechen die 
Steinmonumente Lykiens , das Harpagosmonument und einige 
alterthiimliche Qrdnungen ionischen Stils in Sicilien und Gross- 
griechenland. In der attisch-ionischen Weise kommt sie wieder 
zum Vorschein. 
Die zweite Norm hat die Weite von vier Säulenentfernungen 
als mittleres Mass der Höhe von der Sohle bis zum obersten Rande 
der Rinnleiste. Diesem Kanon näherten sich die Tempel von 
Samos, Priene, Teos, Ephesos und andere Werke der ionischen 
Blüthezeit. 
Der Kanon der spät-ionischen Weise setzt 5 Säulenentfernun- 
gen als mittleres Mass der Höhe des Systems fest. Diesem 
kommen die alexandrinischen und meisten römischen Werke dieser 
Ordnung nach. 
Hierbei ist die Bemerkung wichtig, dass, wenn die Säulen- 
abstände, ionischer Weise gemäss, grösser sind als in der do- 
1 D. 11- äerjenigen, 11m welche herum die Höhenverhältnisse der einzelnen 
dieser Nofm angehörigen Werke schwanken. 
Semper. Stil II. 57
        

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