Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677810
Stereotonxmie 
(Steinkonstruktion). 
Teulm isch-Historisches. 
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Details ihrer Ausführung, die aber meistens nur das Technische 
betreffen, über Verhältnisse und dekorative Ausstattung keine Aus- 
kunft gehen. 1 
Ueber den Bau eines gemeinsamen Heiligthums der ionischen 
Kolonien bald nach ihrer Gründung an den Küsten Ioniens er- 
zählt uns Vitruv eine ziemlich dunkle und konfuse Geschichte. 
Dieser sei nach dem "Genus" erbaut worden, das zuerst bei 
dem (alten) Tempel der Hera zu Argos zufällige Anwendung 
gefunden habe und das nachher in Achaia allgemein geworden 
sei, vor der Einführung bestimmter Gesetzlichkeit in den Säulen- 
Weisen (cum etiam num non esset symmetriarum ratio nota). Nun 
aber hätten die Ioner für die Ausführung dieses dorischen Tem- 
pelgenus die ihnen fehlenden Säulenverhältnisse sich selbst er- 
funden und dabei die Verhältnisse des Mannes (von 6 Fuss Höhe) 
als Norm angenommen, indem sie den Säulen das Sechsfache 
ihres unteren Durchmessers zur Höhe gaben. Diese Weise hätten 
sie die dorische genannt. Später aber, bei dem Baue des Arte- 
mistempels zu Ephesus habe man eine neue Weise 2 versucht und 
dabei nach der Analogie der älteren dieselbe den Weiblichen Ver- 
hältnissen angepasst, den Säulen 8 Durchmesser zur Höhe gege- 
ben, die Basis mit einer Spira, wie mit einem Schuhe, bekleidet, 
1 Woraus gefolgert werden darf, dass die Verlorenen Baunotizen wirklich 
licht waren und aus der Erbauungszeit der Tempel datirten, wie eben eine 
monumentale Marmortechnik erst auf Vorschriften und Regeln zu begründen 
war und der praktisch-struktive Kanon dafür mit Recht als das Mittheilungs- 
wiirdigste erschien. Ohne jene gleichzeitigen Mittheilungen würden wir ohne 
Zweifel über den Baumeister der ionischen Tempel Asiens und ihr Wirken 
nicht mehr wissen als über den Ursprung und die Autorschaft so vieler dori- 
seher Tempel früherer Zeit. 
Zu weit würde man gehen, wollte man daraus, dass diese alten Baunotizen 
wesentlich technischen Inhalts waren, schliessen, es sei vor der Ausführung 
jener kühnen Werke den Griechen die Steintektonik noch nicht geläufig ge- 
WESeIl- Es handelt sich hier um eine erweiterte Anwendung derselben im 
kßlßsßßlßn Massstabe und in einem neuen dazu geeigneten Baustoffe, dem 
weissen Marmor. 
2 Novi generis speciem. Vitruv unterscheidet bei Tempeln dreierlei: 
Das Gen u s bezieht sich auf den Grundplan, ob in antis, peripterisch, dipte- 
risch etc. etc. Die species bezieht sich aufdie Norm der Säulen, ob dichter 
oder weiter gestellt: pyenostylos, systylos, diastylos etc. Die ordo ist die 
Weise, ob dorisch, ionisch oder korinthisch. (S. Marini zu Vitrnv III. c. 2 
Nota 1). Doch zeigt sich Vitrnv in diesen Unterscheidungen nichtimmer kon- 
svquent.
        

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