Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677802
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Hauptstück. 
Zehntes 
dekorativen Ausstattung für die uns hier beschäftigenden Fragen 
höchst interessant sind, wir übergehen sie wegen ihres noch nicht 
genügend konstatirten hohen Alters. Dafür dürfen die durch 
Fellows, Texier, Falkener u. a. neuerdings erst zu genauerer 
Kenntnissnahme gebrachten ionischen Steinmonumente Lykiens 
unsere Aufmerksamkeit ungetheilt in Anspruch nehmen. Sie sind 
vielleicht die einzigen erhaltenen früh-ionischen Monumente, 
da mit Ausnahme der wenigen Ueberreste des samischen 
Hereheiligthums wahrscheinlich unter den bis jetzt entdeckten 
ionischen Bauwerken kein einziges über das 5. Jahrhundert hin- 
ausreicht, während die Glanzperiode dieses Stils schon mit dem 
Ende des 7ten Jahrhunderts beginnt. 
Die Felsenfacaden zu Telmessos, Antiphellos und Myra in 
Lykien sind ionisch in Beziehung auf gewisse charakteristische For- 
nienelemente, aber diese treten hier noch in Verbindung mit anderen 
Elementen auf, die der ionische Stil entweder ganz ausschied oder 
doch bis zur Unkenntlichkeit umbildete. Die Unsicherheit in den 
Verhältnissen und in der Behandlungsweise der Einzelnfornien, 
die an diesen Gebilden hervortritt, lassen sie uns dem ersten 
flüchtigen Eindrucke nach als handwerksmässig missverstandene, 
späte Reminiscenzen, als rohe barbarische Nachahmungen grie- 
chisch-ionischer Vorbilder erscheinen, aber bei genauerer Prüfung 
verrathen sie ganz im Gegentheile das entschiedenste Gepräge des 
Ursprünglichen, Welches, verbunden mit jenen archaischen und 
fremdartigen Beimisehungen, und dem noch asiatischen Typus 
einiger darauf befindlicher Skulpturen und Bildwerke, uns nöthigt, 
in ihnen Beispiele einer firühionisehen Bauweise zu erkennen. 
Steintektonik. 
Ionische 
Es scheint, dass sich die eigentliche ungemischte Steintektonik 
in den ionischen Kolonialstaaten Kleinasiens sofort in den riesen- 
haftesten Dimensionen bcthätigte, wenigstens knüpfen sich die 
ältesten bestimmten Nachrichten darüber an die Anlage kolossaler 
Tempel, deren Baugesohichte angeblich durch die ausführenden 
Architekten selbst der Nachwelt schriftlich mitgetheilt worden 
sei. Obschon nichts davon auf uns gekommen ist, so haben sich 
doch durch spätere Schriftsteller, besonders durch Vitruv, einige 
wichtige Notizen daraus erhalten. Durch sie kennen wir die 
Namen ihrer Erbauer, ihre allgemeine Plananlagc, sogar einzelne
        

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