Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677791
Stereotomie 
(Steiukoustruktion). 
Teuhnisch-Historisches. 
443 
kreisenden, in sich zuriickkehrenden Thätigkeit die Rede sein kann, 
sondern dass ein radiales oder diesem verwandtes gradlinicht paralle- 
les Wirken vorwaltet. Doch auch ohne Beihülfe der Formensymbolik 
führt die einfache Zwecklichkeitsfrage bei der Betrachtung dieser 
persischen Knäufformen auf das Gleiche. Ueberdiess sehen wir ja 
an den Felsengräbern der Achämeniden wenigstens ihre metastyle 
Bestimmung deutlich vor uns. 1 
Nun drücken die ionischen Volutenknäufe ganz dasselbe aus, 
sind sie der Grundidee nach den persischen Knäufen vollständig 
homogen. Es bleibt kein Zweifel, auch die ionische Ordnung, gleich 
ihrer barharisch-realistischen Modifikation, der assyrisch-persischen, 
ist ihrem Wesen nach hypostyl und metastyl, nicht peripterischfl 
Diesem inneren Dienste entspricht auch das alt-ionische 
frieslose Gebälk; ein der Entwicklung der Voluten der Knäufe 
folgender Tragbalken, zur Aufnahme der quergelegten Decken- 
balken, die sich an der Frontseite der metastylen Säulenhalle, als 
Balkenköpfe (Mutulen, später Zahnschnitte) , 3 äusserlich vor- 
künden. 
Die 
Felsenfacaden. 
ionischen 
Das so gegebene vorionische wesentlich asiatische Motiv machte 
nun ebenfalls, wie das vordorische, höchst wahrscheinlich seinen 
Eintritt in den vollständigen Lapidarstil, durch die Vermittlung 
der Skulptur, bei der Ausstattung der Felsengräber mit dekora- 
tiven Säulenportalen. Wir wollen die öfter erwähnten Königs- 
gräber bei Persepolis nicht wieder zurückrufen, auch die aus 
dem lebendigen Kalkfelsen gehauenen Gräber im Kidronthale bei 
Jerusalem übergehen wir, obschon sie durch das merkwürdige 
Gemisch dorischer, ioniseher und barharischer Elemente, welches 
sie zeigen, auch durch den eigenthümlich krausenMetallstil ihrer 
' Die assyrische Ordnung, mit vollständig entwipkeltem Spiralenknauf, 
kommt nicht selten auf Bildwerken vor, aber nur in metastYler Weise- 
zAuch über diesen Punkt ist meine Ansicht nicht diejenige der Kunstforv 
Scher- Der gelehrte Verfasser der Tektonik der Hellenen z. B. will gerade das 
Entgegengesetzte; für ihn ist die ionische Weise die peristyle par excellence, 
als Gegensatz der dorischen, die ursprünglich metast_y1 sei. Vergl. dessen 
Werk passim. 
31011 darf nicht erst darauf zurückkommen, wie dieses Strukturschema 
schon durch das Bekleidungsprixlzip, das nraltherkümmliche, (durch das An- 
tepagment etc.) zur Kunstform umgebildet worden war, bevor die Steintek- 
tonik dasselbe übernahm und in ihrem Sinne weiterbildete.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.