Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677786
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Zehntes 
Hauptstück. 
sehen Wiederaufnahme der offenbar älteren, durch den zopii- 
gen Polstergedanken zeitweilig verdrängten, Bildung der Voluten- 
zierden mit dem was wir an assyrischen Metallstrukturen und 
diesen nachgebildeten persischen Säulen wahrnehmen. Jene atti- 
sehen Voluten, sowie jene persisch-assyrisehen, sind gewisser- 
massen empaistische Gebilde, wenigstens entsprechen sie in ihren 
Gliederungen und Verbindungen durchaus der Technik des Trei- 
bens und Löthens der Metalle (Siehe Band I.  68, S. 365 u. f. f.) 
Auch für die ionische Weise so gut wie für die dorische ist 
der Ursprung ihrer formalen Elemente aus einer Periode, in wel- 
cher die monumentale Steintektonik noch nicht in Anwendung 
kam, unzweifelhaft. Eben so sicher war auch der Uebergang 
zu letzterer durch die gleichen Zwisehenglieder vermittelt, näm- 
lich theils durch den gemischten Stil (das von steinernen Säulen 
gestützte hölzerne Gebälk), theils durch die Grottenarchitektur, 
durch welche das Problem des steinernen Säulendachs zunächst 
nur in bildhauerischem Sinne gelöst wurde. 
Der gemischte 
Stil. 
Was den gemischten Stein- und Holzstil in ionischer Weise 
betrifft, so fehlt uns allerdings dafür ein urkundlicher Nachweis, wie 
er uns für den vordorischen Mischstil in dem ausführlichen Berichte 
des Vitruv über den hetruskischen Tempelkanon vorliegt; aber 
dafür haben sich wirkliche Ueberres te gemischter tektonischer 
Systeme bis auf unsere Zeit erhalten, die zu der ionischen Weise 
in ähnlichem Bezuge stehen wie jener hetruskische gespreizte 
Säulenbau zu der dorischen; wir deuten auf die bereits öfter be- 
sprochenen persischen Säulen hin, die zunächst wegen ihrer un- 
zweifelhaften Bestimmung als Holzdeckenträger, und zwar in hypo- 
styler und metastyler, aber nicht in periptcrischer Anwendung, für 
uns an dieser Stelle grösste Bedeutung haben. Dass sie die in- 
neren Deckenbalken eines Saales aufzunehmen und zu stützen 
bestimmt waren, oder (in fast gleicher Thätigkeit) als Träger des 
Zwischengebälks einer Vorhalle dienten, beweisen schon die 
Räume, zu denen sie gehören; aber liesse ihr Zusammenhang mit 
ihrer Umgebung auch darüber Vollständig im Umgewissen, so 
würde ihre Form, nämlich die Form ihres Kapitals, für sich allein 
darüber jeden Zweifel entfernen. Ein solcher Gabelknauf drückt 
klar aus, dass hier nicht von einer peripterischen d. h. gleichsam
        

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