Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677720
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Zehntes Ilauptstück. 
merkwürdige Bau, dessen Verhältnisse an Leichtheit die des 
Parthenoxis überbieten, zeigt daneben in gewissen Details archai- 
sches Wesen, was Ross 1 veranlasste, ihn für hochalterthümlich 
(sogar vorhomeriseh!) zu halten. In diesem Falle müsste sein 
Charakter durch die Darstellung gänzlich gefälscht worden sein,2 
was sehr möglich ist. 
Alexandrinischer DorismuS. 
Die 
dorische 
Weise 
hatte 
im 
Attricisrnus 
ihre 
Grenzen 
reicht, nach dieser Seite hin ihre Befähigung zu weiterer Ent- 
wicklung verloren; auch hörte sie eigentlich schon vor der make- 
donischen Hägemonie auf hieratischer Tempelstil zu sein, diente 
sie schon mehr nur profaner Kunst. Indem somit dieses an dem 
Tempel herangcbildete System der Steintektonik sich dem Civil- 
bau anzubequemen hatte, gab es den Ausdruck typisch-monumen- 
taler Erhabenheit zum Theil preis, gewann aber dafür die er- 
forderliche Geschmeidigkeit, um der Baukunst auf ihrer mehr in- 
dividuelle Mannichfaltigkeit des Ausdrucks erstrebenden Richtung 
zu genügenr So öffnete sich ihm eine neue Bahn zu weiterer 
Fortbildung nach der Richtung des leicht Dekorativen, anmu- 
thig Reizenden, auf der es zu seinem Ursprunge zurückkehrte, 
indem es wieder wurde, was es bei den Pelasgern und Hetruskern 
gewesen War, nämlich gemischte Holz-und Steintektonik. In den 
griechisch-italischen Städten Pompeji und Herkulanum zeigt 
sich die dorische Weise noch an den Civilbauten als die herr- 
schende, aber nur Ein Tempel nach dorischem Kanon (der schon 
zur Zeit des Untcrganges von Pompeji Ruine war), wurde bis 
jetzt gefunden. 
Ausser diesen pompejanischen nicht mehr restitutionsfähigen 
dorischen Tempelspuren sind vielleicht nur noch die Üeberrestc 
des Zeustempels zu Nemca und die eines kleinen Niketempels 
1 Inselr. II. Bd. 15. 
2 Ich erlaube mir kein Urtheil, da ich den Bau nicht selbst untersuchen 
konnte. Dass die Säulen nur 16 Kanäle haben, erklärt sich wohl genügend, 
bei ihrer Schlankheit, aus optisch-ästhetischen Gründen. 
Norm: 14.7 
(1 
Oberer Durchm. r. 0,8. Abakus : 2,166 Model. Höhe etwas weniger als 
lfa der Breite. Echinus nur 3Reifen, einen Einschnitt, fein profilirt. Anten- 
kapitäl stark iunisirend, mit plastischen Herzblättern und Perlen.
        

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