Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677624
420 
Zehntes 
Hanptsti 
ick. 
entwickelte 
Der 
Dorismus. 
Alle YVerke dieser Periode geben zu erkennen, dass sie schon 
unter dem Eintlusse künstlerischer Objektivität in der Erfassung 
des socialen Prinzips entstanden sind, das sich dafür ausgab, aus 
dorisehen Stammesüberlieferungen hervorgegangen zu sein, dass 
der monumentale lapidarische Kunstausdruck dieser Idee (das 
steinerne, Heiligthum schützende, Saulendach) gefunden oder 
vielmehr gesetzgeberisch festgestellt war. Das gegebene Schema. 
hatte sich nur noch in den Verhältnissen der Theile zu einander 
und in den Einzelnformen durchzubilden und zu reinigen. Ob- 
schon das Ziel und die Mittel es zu erreichen dem Wesen nach 
erkannt Waren, bedurfte es gleichwohl noch vieler Schwankungen 
von einer Uebertreibung zur entgegengesetzten, ehe diesem Ge- 
woge die ernste dorische Charis sich entwand. 1 
Darf man als archaische Norm das liegende mehr oder weni- 
ger gestreckte Parallelogramm bezeichnen, so herrscht durch die 
ganze Periode des entwickelten Dorismus die Tendenz nach der 
quadratischen Normalform. Das Schwankende und Schwerköptige 
des archaischen Baus wird durch dichtere Reihung der Stützen 
und gleichzeitige Verminderung der Last des Gestützten gehoben 
und nach manchem Suchen dasjenige Verhä-ltniss erreicht das, 
aus der dorischen Weise hervorgehend, ihr und den Bedingungen 
der Steintektonik am vollkommensten entspricht. 
Der Dorismus drückt sich aus in der Gebundenheit der 
Theile, welche in dem tektonischen Systeme zusammenwirken, 
diesen Ausdruck sucht er zu erhöhen durch möglichst spar- 
same Anwendung solcher althergebrachten, aus der Töpferei 
und der Geräthekunst auf die Baukunst übertragenen forma- 
len Typen, die, indem sie den Theil eines Systemes, dem 
sie attribuirt sind, zu einem in sich Ganzen, zu einem In- 
dividuum machen, durch ihre Abwesenheit als Symbole des 
Gegentlteils wirksam sind. Seine Tendenz geht nach abso- 
luter Monumentalität, die er zu erreichen strebt, nicht bloss 
1 Diese hatte auch mit dem Systeme selbst, das sie eine Zeit hindurch in 
Fesseln zu legen strebte, einen Kampf zu bestehen, auf den ich schon mehr- 
fach hindeutete. Der vollständig entwickelte Dorimus beginnt erst nach der 
Beseitigung dieses hierarchischen Einflusses.
        

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