Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677612
Sfereotomie 
[Steinkonstruktiu 
Technisch-Ilistorisches. 
425 
So erklären sich Erscheinungen, wie der angebliche Tempel 
der Artemis zu! Syrakus, ein Specimen übertriebenster dorischer 
Wucht und Kraftfülle. Zwar sind die Säulenhöhcn und das Ver- 
halten des Gebiilks zu den Sätulen noch die früheren, aber die 
Säulenmittel sind einander möglichst nahe gerückt; die Verjün- 
gung der Säulen reduzirt sich auf ein Minimum und gleichwohl 
sind die Knäufe stark ausgeladen, mit hohem schwulstig wuchten- 
dem Eehinus, verminderter Höhe des Abakus, der seinen Nachbar 
fast berührt. S0 ist die Idee des Freitragenden beinahe gänzlich 
beseitigt. Die Norm ist nicht mehr ein liegendes, sondern ein 
stark nach oben über das Quadrat hinausgehendes Parallele- 
gramm, also ein Gegensatz der früheren. 1 - 
Der gleiche Widerspruch gegen die alte Norm tritt, in hier- 
von ganz verschiedener Weise, an einem anderen berühmten 
Säulenbaue hervor, an dem Tempelruin von Korinth. Leider 
fehlen auch ihm die oberen Theile des Gebälks; doch dürfen wir 
das alte Verhältniss dafür annehmen ('12 der Säulenhöhe), das 
der Schwere des Stützwerkes entsprechen würde. Dann ist seine 
Norm: 14 
     
Also der alte Kanon des liegenden Parallelogramrns bei vermin- 
derten Entfernungen der Säulenmittel, erreicht durch ungewöhn- 
liche Verkürzung der Säulen. 2 
1 Norm des Artemisiums zu Syrakus: 
11,6 
, ) T. 13,115? 
Zwar existirt nur der Architrav, aber seine Schwere macht die Annahme 
eines Maximums der Gebälkshöhe (V2 der Säule) hier wahrscheinlich. 
Verjüngung der Säule V7. 16 Kanäle. Eehinus unten fast horizontal 
ausgehend, mit leichter Kehle, scharf ,untersehnittenell Ringen, Ohne Kehl- 
Schnitte. 
2 Dieser Bau wird gemeinhin für das älteste dorische Werk gehalten, 
aber schon seine sehr durchgebildeten Details, Welche eine spätere Gefühls- 
weise verrathen, lassen ihn als einer mittleren Periode des dorischen Stils an- 
gehörig erscheinen. Auch die dreifachen HalSßiHSChnitte unter dem Kmwfe 
sind ziemlich sichere Kennzeichen des entwickelten Dorismus. Ich halte ihn 
für nicht viel älter als den äginetischen Tempel. 
Architrav sehr hoch fast 2 Modul. Oberer llalbmesser z 0.744, Aba- 
kus r: 2.644 mod. Seine Höhe nur V1 der Breite. Echinus lastend und hoch. 
Vier stark untersclmittene Reifen. Drei Hnlsschnitte. 
Semper, Stil Il. 54 
Norm 
des
        

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