Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677558
Stereotomie 
(Steinkonstruktion). 
Techniscl 
Historisches. 
419 
jüngt (11,4 des unteren Durchmessers), mit weit ausladendem Knauf. 
Dessen Echinus liegend, von massiger Höhe, gewölbtem aber kei- 
neswegs schwülstigem Profile, eigenthümlich und in etwas klein- 
lich trockener Weise am Halse plastisch dekorirt. Ein einziger 
Halseinschnitt. Die Säulenabstände ausserordentlieh weit, fast 
wie an den Felsenfacaden, das Gebälk befremdlich, ohne Tri- 
glyphenfries, der Simms dem an dem Felsenportale von Nicoleia 
fast völlig gleich. Das innere Deckengeschränk noch in keiner 
Weise äusserlieh Versinnlicht. Giebel hoch, wie am etruskischen 
Tempel. Kanäle der Säulen sehr flach. Als hoch alterthümlich 
gilt mir auch der plastische Schmuck der architektonischen 
Glieder, ganz in der strengen Manier der plastischen Zierden des 
Heräums zu Samos, in dessen Üeberresten ich gleichfalls vor- 
dorische noch gemischte Weise erkenne. 1 
Ausser diesem räthselhaften Ueberreste, von dem es sehr 
zweifelhaft ist, ob er einem Tempel oder nicht vielmehr einem 
Brunnenhause angehörte (noch jetzt ist die Stelle der Süsswasser- 
einnahmort der Schiffer), wage ich kein vorhandenes konstruirtes 
Säulenmonument dieser vordorischen Kunst zuzuweisen. 
Vielleicht sind einige kleinere Monumente auf den Inseln des 
Archipels ihr noch angehörig, obgleich Ross, nach der herkömm- 
lichen, auf das Vorhandensein gewisser Mischformen gestützten 
Schlussfolge sie den Zeiten des Verfalls der gr. Künste und den 
ersten Jahrhunderten nach Christus zuweist. 2 
laxe archaisch- 
2) Der älteste 
dorische 
Stil. 
Im Ganzen ist unser kritisches Urtheil in Kunstsachen mehr 
für Skulptur und Malerei geschärft als für Baukunst, wesshalb wir 
geneigt sind, wo nicht etwa Archive und TeXte Auskunft bieten, 
das Alter und den Ursprung der Bauwerke nach den auf ihnen 
etwa vorkommenden Bildwerken zu schätzen und sofort Unsicher- 
heit im Urtheil zeigen, wo derartige äusserliche (oft trügliche) 
Kennzeichen fehlen. 
So hat man wegen seiner in Wahrheit sehr barbarischen und 
1 Die Norm dieses Säulenbaues ist: 
 213f4 
(11114 "l- ßaß) : 1-5- 
2 Ross Inselreisen Bd. 1. S. 152. Id. über Anaphe. 
Akademie I. C1. ll. Thl. 11. Abth. S. 409. 
Abb. 
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der
        

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