Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677528
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Zehntes 
Hauptstück. 
anderen Formen, die später ausgeschieden wurden, die Zierden 
der Dreischlitze, Mutulen, Tropfen etc. sich traditionell übertragen, 
obschon ihr Ursprung und zwecklich-struktiver Sinn, wenn ihnen 
ein solcher wirklich zu Grunde lag, sich wohl verdunkelt haben 
oder gänzlich vergessen sein mochten. 
Ob jene Zeiten auch unvermischte Steingeschränke, anders 
als an F elsengräbern, hervorbraehten, ist schwer zu sagen, jeden- 
falls waren bestimmte Verhältnissregeln noch nicht festgestellt, die 
verschiedenen Weisen des Säulenbaus noch nicht erfunden. 1 
Die dorisirenden Formen dieser Vorperiode der hellenischen 
Steintektonik haben, so weit sich nach dem Wenigen, was Sicheres 
über sie vorliegt, urtheilen lässt, folgendes Eigenthümliche. 
Säulen hochstärnmig aber Wenig und gradlinicht verjüngt, 
ganz ohne oder mit wenig Kanälen, Weit gestellt, auf alterthüm- 
licher Basis oder ohne dieselbe.  
Knauf wenig ausgeladen, mitunter mit rundem Abakus , mit 
steilem und hohem Echinus; dieser ist starr, wie gedrechselt, ohne 
Schwellung, entweder unmittelbar durch Ringe an den Schaft ge- 
knüpft oder durch die Vermittlung einer Kehle (Scotium), Wodurch 
das Profil des Knaufes karniesförmig wird. Die Kehle durch einen 
Astragal (Perlenstab) an den Schaft befestigt. Plastische Zierden am 
Gebälk und an den Knäufen, selbst an den Schäften und Basen, welche 
letztere noch nicht gänzlich beseitigt sind, Gebälk schwer (U2 der 
Säulenhöhe und drüber), allgemeine Unsicherheit in den Verhältnis- 
sen, Willkür in der Reihenfolge und Vertheilung der Gliederungen 
(Moulures) und sonstiger Kunsttypen, als wäre es Töpferwerk oder 
Geräthe, das monumentale Bewusstsein noch nicht vollständig er- 
wacht, welches sich erst später in dem Umbilden dieser alten tra- 
ditionellen Typen in dem Sinne einer zwecklich-struktiven Lapidar- 
tektonik bethätigen sollte. Das Gesimrns noch erst allgemeiner 
Ausdruck eines Kranzes, noch ohne Hängeplatte und ihre balken- 
köpfig gestalteten Träger, als spezifisch-tektonis ches Attribut 
desselben, Die Triglyphe, WO sie vorkommt, weder Stütze des 
Geison, noch Ueberträgerin seiner Last auf die Mitte der Säule 
sondern angeheftete Bekleidung, daher auch noch nicht 
nach dorisohem Doktrinarismus geordnet, sondern sowie es 
bei den Römern üblich verblieb, dabei gradlinicht und 
1 Wie sich Vitruv 
ratio nota lib. IV. 1. 
ausdrückt: 
cum 
etiam 
nondnm 
esset 
symmetriaxum
        

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